
Autor: Amancham
E-Mail Adresse: amancham@gmx.net
Homepage: http://fiction.intayale.de
Titel: Das andere Ich
Inhalt: In einer anderen Umgebung einen Teil von sich, den man vielleicht neu entdeckt hat, zuzulassen ist eine Sache. Doch Lindsey und Charles können nicht ewig bei Aaron bleiben, sie müssen zurück in ihr normales Leben ... die Frage ist: Wie soll es weitergehen?
Spoiler: Spielt zwischen 1.19 und 1.21
Altersfreigabe: ab 18 Jahren
Teil: 8/?
Disclaimer: I do not own the characters in this story, nor do I own any rights to the television show "Buffy the Vampire Slayer". They were created by Joss Whedon and belong to him, Mutant Enemy, Sandollar Television, Kuzui Enterprises, 20th Century Fox Television and the WB Television Network.
Hauptcharakter(e)/Paar(e):
Kommentar: Heut gibts kein Kommentar. Wünsch viel Spaß beim Lesen und geh wieder ins Bett.
Warnings: Slash, H/C, BDSM, Dark

Bald darauf kam Aaron zurück. Er trug eine große Schale mit Wasser, die er neben dem Bett abstellte, ehe er sich wieder auf der Matratze niederließ. Wortlos nahm er den Lappen aus dem Wasser, drückte ihn aus und begann dann sorgfältig und liebevoll, Lindseys Haut von Schweiß, Wachs und Blut zu reinigen. Charles beobachtete ihn ein wenig und fing dann seinerseits an, dabei zu helfen. Behutsam zupften sie das restliche Wachs von der leicht geröteten Haut und auf seinen fragenden Blick hin, gab ihm Aaron lächelnd einen weiteren Lappen in die Hand. Lindsey wachte nicht auf, während sie ihn sorgfältig wuschen. Was bei Charles beinahe wieder Besorgnis auslöste. Doch Aaron schien überhaupt nicht besorgt, also beschloss Charles sich keine weiteren Gedanken darüber zu machen.
„Er ist ein guter Junge“, meinte Aaron irgendwann, als er den Lappen zurück in das Wasser legte und wieder durch Lindseys Haare strich. „Sehr experimentierfreudig.“ Er lächelte. „Hätte nichts dagegen, wenn er wieder öfter hier vorbeikommen würde.“
„Er war wohl regelmäßig hier?“, erkundigte sich Charles schließlich.
„Einmal die Woche. Manchmal sogar öfter.“ Aaron hob den Blick, sah Charles interessiert an. „Darf ich dich um etwas bitten? Ist mir wichtig.“
„Klar.“ Charles überlegte sofort, ob das so klug gewesen war. Vielleicht hätte er ja erst fragen sollen, worum es ging.
„Für den Fall, dass du es doch versuchen willst und ich sage nicht, dass du das musst oder dich von ihm zu irgendetwas drängen lassen sollst. Aber falls du es probieren möchtest: Kommt hierher. Zumindest für die ersten Gehversuche. Ich würde mich wohler fühlen, wenn ich ein Auge auf ihn haben könnte. Das ist nichts gegen dich, Charles. Aber auch wenn wir es als Spiel bezeichnen hängt da viel Verantwortung dran.“ Charles nickte schwach.
„Ich glaube nicht, dass ich es wirklich versuchen will, weil …“ Er verstummte, erinnerte sich zurück an einen sich vor Ekstase windenden Lindsey, der mit jeder Faser seines Körpers nach mehr bettelte. Mehr Wachs, mehr Hitze, mehr Schmerz und … mehr Ekstase. „Okay. Falls wir etwas rumprobieren wollen, kommen wir hierher“, meinte Charles schließlich leise.
„Danke.“ Stille trat ein, doch sie war in keiner Weise unangenehm. Charles hing seinen Gedanken nach, Lindsey schlief noch immer und Aaron beobachtete den Schlafenden aufmerksam.
„Aaron?“
„Hm?“
„Erzähl mir von ihm. Seinen Vorlieben. Den allgemeinen Regeln.“ Aaron nickte und Charles machte es sich auf dem Bett gemütlich, drehte sich auf die Seite, um den anderen Mann über Lindseys schlafende Gestalt hinweg anzusehen.
„Das wichtigste sind die Faustregeln. Safe, sane, consensual. Safe: Egal was ihr tut, du musst immer darauf achten, dass die Sache sicher für ihn ist. Das ist deine Aufgabe. Bei Lindsey noch mehr als bei anderen Subs. Er neigt dazu, seine eigene Sicherheit zu vergessen und vor allem geht er so sehr in seiner devoten Rolle auf, dass er blind darauf vertraut, dass der Andere für ihn aufpasst. An sich richtig. Der dominante Partner in einer Session sollte sich dieser Verantwortung bewusst sein und sie ernst nehmen.“ Charles nickte, zum Zeichen, dass er verstanden hatte.
„Aber ist das nicht gefährlich? Ich meine, woher weiß er, dass der andere wirklich darauf achtet.“
„Das tut er nicht. Und ja, es ist gefährlich. Er kehrt die Sache gerne unter den Teppich, aber ich denke, du solltest es wissen.“ Aaron zögerte kurz, blickte erneut auf den Schlafenden hinunter und sein Gesichtsausdruck veränderte sich. Er wirkte wütend und verletzt. „Lindsey ist einmal an einen richtigen Mistkerl geraten“, meinte er schließlich leise. „Der hatte eigentlich keine Ahnung was er tat. War einfach nur ein Sadist, der dachte, er könne sich in der Szene austoben. Er hat absolut nicht auf Lindsey geachtet. Das ging zwei Sessions gut, in der dritten ist ihm Lindsey zusammengebrochen. Physisch und psychisch. Es hat mich Wochen gekostet, ihn annähernd aufzupäppeln. Er war vollkommen depressiv und fand den Weg aus seiner Rolle nicht mehr. Lindsey war 24/7 ein devoter Sklave für jeden der ihn nur ansah, zeigte keinerlei eigenen Willen mehr.“
„Scheiße. So was kann passieren?“ Aaron nickte langsam.
„Aber wie gesagt: Wenn du auf ihn achtest, auf seine Reaktionen, dann ist die Sache eigentlich recht sicher.“
„Hör auf, ihm Angst zu machen“, brummelte Lindsey missmutig und regte sich etwas.
„Ist zu deinem eigenen Besten, Kleiner“, gab Aaron liebevoll zurück.
„Entschuldige. Ich wollte nicht in deinem Privatleben …“, murmelte Charles beschämt.
„Schon okay“, murmelte Lindsey träge und streckte sich vorsichtig. „Aaron hat nicht ganz Unrecht. Der bloße Anblick von einem Reizstromgerät reicht aus, dass ich völlig austicke.“ Lindsey zitterte leicht und ohne wirklich darüber nachzudenken streckte Charles die Hand aus und strich ihm beruhigend über die Wange. Lindseys Blick schoss zu ihm hoch und erneut bohrten sich diese unglaublichen, blauen Augen in seine eigenen. Dann drängte sich Lindsey ganz sachte in seine Berührung, schmiegte die Wange an seine Handfläche, während er Charles’ Augen noch immer mit seinem Blick gefangen hielt.
„Sane“, flüsterte er schließlich „Mit klarem Verstand. Alkohol und Drogen haben nichts in einer Session verloren. Egal welche Methoden man anwendet, es soll nie zu unerwünschten körperlichen oder seelischen Schädigungen des devoten Partners kommen.“
„Consensual?“, erkundigte sich Charles. Seine Stimme wollte ihm nicht so recht gehorchen. Er war viel zu fasziniert von Lindseys Verhalten, der Nähe seines Körpers, der noch immer zu vibrieren schien. Ein Prickeln breitete sich von seiner Hand aus und zog sich stetig durch seinen Leib, wollte ihn ebenso unter Strom setzen, wie es Lindsey noch immer war.
„Alles was passiert, geschieht im Einvernehmen beider Parteien“, gab Lindsey leise zurück, richtete sich langsam auf. Sein Gesicht war nur Millimeter von Charles’ Gesicht entfernt und die blauen Augen, der intensive Blick schienen ihn noch näher ziehen zu wollen. Charles hatte gar keine Zeit darüber nachzudenken. Er wartete nur darauf, dass Lindsey den letzten Abstand überwand und ihn küsste, denn genau das schienen ihm die blauen Augen mit aller Macht entgegen zu brüllen. Charles’ Gehirn war leer. Er konnte sich nicht wehren und er wusste nicht einmal, ob er es wollte. Er hatte in den vergangenen Stunden gegen genug Prinzipien verstoßen. Was machte ein Verstoß mehr oder weniger noch aus?
Doch Lindsey überwand den Abstand nicht. Ohne Vorwarnung zog er sich plötzlich zurück, brach den Kontakt zu Charles’ Hand ab und wandte sich nach Aaron um.
„Wenn es nichts ausmacht, würde ich gerne auf dein Angebot zurückkommen, mich in die heiße Badewanne zu schmeißen“, meinte er unschuldig, als hätte er soeben nicht beinahe eine Grenze überschritten, die womöglich alles über den Haufen geworfen hätte, was zwischen Charles und ihm an Vertrauen und freundschaftlicher Basis existierte.
„Sicher. Aber ich komme mit. Keine Lust, dass du mir in der Badewanne einschläfst und absäufst.“
„Ich schlaf nicht ein“, maulte Lindsey.
„Keine Widerrede. Charles, du entschuldigst uns?“, wandte sich Aaron an Charles. Dieser nickte schweigend. Erst als Lindsey und Aaron aufgestanden waren, stieß er langsam die Luft aus, die er angespannt angehalten hatte.
„Fuck!“, murmelte er verstört und rollte sich auf dem Bett zusammen, als die beiden den Raum verlassen hatten. Bisher hatte Charles den Abend ganz gut verkraftet. Aber dieser winzige Moment eben war mehr gewesen, als er ertragen konnte.
Charles döste etwas vor sich hin, war jedoch sofort wieder hellwach, als die Tür aufging und Lindsey und Aaron wieder eintraten. „Ich glaube wir sollten zurück“, meinte Lindsey munter, als wäre nichts geschehen. Er trug lediglich ein Handtuch um seine Hüften und suchte seine Kleidung zusammen, während sich Aaron mittlerweile wieder angezogen hatte.
„Ja. Sicher.“ Charles stand vom Bett auf und wartete, bis sich Lindsey angekleidet hatte. Gemeinsam verließen sie schließlich den Raum und Aaron begleitete sie noch zur Haustür.
„Bleib nicht wieder so lange weg, Lindsey“, meinte er liebevoll, als sie an der Tür angekommen waren.
„Mal sehen, was sich machen lässt. Bin als Gefangener leider auf Auslauf-Erlaubnis angewiesen. Würde ja am Liebsten morgen noch mal vorbeikommen.“ Lindsey seufzte. „Gefangener sein ist scheiße.“
„Und das von einem Mann, der es liebt, sich dominieren zu lassen. Müsste doch eigentlich voll deine Welt sein“, frotzelte Aaron. Lindsey grinste frech und streckte sich dann etwas. Charles beobachtete atemlos, wie sich die beiden Männer tatsächlich auf die Lippen küssten. Er schluckte und senkte rasch den Blick. Lindsey löste sich gleich darauf von Aaron und öffnete die Tür. „War mir eine Freude, dich kennen zu lernen, Charles. Vielleicht sieht man sich ja wieder.“ Aaron bot ihm die Hand dar und Charles schüttelte sie kurz.
„Mal sehen“, meinte er ruhig. „War auf jeden Fall interessant.“ Aaron warf einen Blick auf Lindsey, der langsam die Treppen hinunter ging und drückte Charles dann etwas in die Hand.
„Für morgen“, murmelte er. „Wird er mit Sicherheit brauchen. Hilft gegen seinen Muskelkater.“ Er zwinkerte kurz.
„Jetzt komm schon. Ich muss wirklich zurück in meinen Käfig. Außerdem bin ich hundemüde.“ Charles wandte sich überrascht nach Lindsey um. Er öffnete den Mund, wusste aber nicht recht, was er sagen sollte.
„Ich sagte doch, das hält ein paar Stunden an“, meinte Aaron leise. „Pass auf ihn auf.“
„Klar.“ Damit wandte sich Charles endlich um und folgte Lindsey. Der junge Mann schien regelrecht zu leuchten und zu platzen vor Energie. Dass er müde war, konnte ihm Charles beim besten Willen nicht abkaufen.
Am Auto angelangt, wartete Lindsey, bis ihm Charles die Handschellen angelegt hatte und stieg dann wortlos ins Auto. Auch während der Fahrt sprach keiner ein Wort. Lediglich das zufriedene Lächeln auf Lindseys Lippen verriet, dass er im Moment übersprudelte vor Glück. Als Charles das Auto in der Garage von Wolfram und Hart abgestellt hatte, wandte er sich zu Lindsey um. „Vergiss nicht: Du bist die letzten Stunden gefoltert worden.“
„Entspricht ja fast der Wahrheit.“ Lindsey grinste frech. Dann jedoch räusperte er sich kurz. „Keine Sorge. Das heiße Wasser hat leider nicht gerade geholfen. Ich spür den Muskelkater jetzt schon. Wird mir nicht schwer fallen, das leidende Opfer zu spielen.“ Er verzog etwas das Gesicht. „Manchmal ist Aaron ein Arsch“, grummelte er missmutig.
„Ja, aber nur, wenn du das willst, hab ich den Eindruck.“
„Stimmt.“ Lindsey zwinkerte kurz. „Lass uns endlich reingehen. Ich bin fix und fertig.“
„Glaub ich dir sogar.“ Charles stieg aus und öffnete die hintere Tür, damit Lindsey das Auto ebenfalls verlassen konnte. Der junge Mann bewegte sich recht langsam und hielt den Kopf gesenkt. Nach kurzem Zögern griff Charles nach den Handschellen und zerrte ihn regelrecht mit sich. Lindsey ließ ihn gewähren, sträubte sich nicht mehr als es ein verletzter und ausgelaugter Gefangener tun würde. Charles öffnete die Tür zum Vorraum der Zellen und stieß Lindsey unsanft hinein, der dadurch ins Taumeln geriet und auf den Boden prallte.
„Mr. Gunn, willkommen zurück. Ich übernehme den Gefangenen gerne.“
„Nein“, knurrte Charles finster. „Den schaff ich schon selbst in seine Zelle und außerdem hab ich ihm noch etwas mitzuteilen.“ Mit weit aufgerissenen Augen starrte ihn Lindsey an und Charles musste sich schwer zusammennehmen. Doch vor dem Wärter konnte er sich keine Schwäche erlauben. Er zerrte Lindsey wieder auf die Beine und stieß ihn in Richtung seiner Zelle. Der Angestellte schloss rasch auf und Charles schob den jungen Mann ungeduldig hinein. Sie verharrten einen Moment, bis die Tür ins Schloss gefallen war, dann erst trat Charles zurück.
„Sorry, Mann. Ich hoffe, es ist alles in Ordnung?“ Lindsey betrachtete ihn noch einen Moment mit einem seltsamen Gesichtsausdruck, dann lachte er.
„Erzähl du mir noch mal, du bist nicht sicher, ob du den dominanten Part übernehmen könntest.“
„Gott! Lass uns jetzt nicht darüber reden“, meinte Charles fast schon panisch. „Ich musste doch, ich meine … die wären doch sicherlich misstrauisch geworden, wenn ich …“
„Charles“, unterbrach ihn Lindsey mit nunmehr ruhiger Stimme. „Ist in Ordnung.“ So fühlte sich Charles aber keineswegs. Es war eine Sache gewesen, in der behüteten Umgebung und in Beisein von Aaron so freizügig zu tun und sich offen für Neues zu zeigen. Aber jetzt war er alleine mit Lindsey und der Anblick des Mannes, wie er ihm einen Oscarreifen Blowjob verpasste, wollte sich nicht aus Charles’ Gehirn bannen lassen. Jedes mal wenn er die blauen Augen sah, sah er die Leidenschaft und das stumme Flehen darin.
Verstört fing Charles an, in dem Raum auf und ab zu laufen. „Scheiße!“, murmelte er immer wieder. Lindsey blieb stehen wo er war. Er sagte nichts, er lachte nicht. Er wartete schweigend. Charles fuhr sich mit einer zitternden Hand über das Gesicht. Dann fiel sein Blick auf Lindsey und er erinnerte sich an die Handschellen. Wortlos trat er zu ihm und befreite ihn von dem kalten Eisen.
„Danke“, meinte Lindsey leise.
„Schon gut.“
„Nein. Charles. Danke.“ Lindsey schüttelte den Kopf, hielt ihn sanft aber bestimmt auf, als sich Charles abwenden wollte, suchte seinen Blick. Einen Moment ließ er zu, dass ihn die blauen Augen wieder in ihren Bann zogen, dann nickte er schweigend. Ihm war klar, dass sich Lindseys Dank auf den Abend und den kleinen Ausflug bezog und irgendwie kam er nicht umhin, ihm auch danken zu wollen. Für so vieles. Es war seltsam befreiend gewesen, sich in gewisser Weise einfach gehen zu lassen, nicht nachzudenken, ob es richtig oder falsch war und auch wenn es ihm missfiel, war ihm gerade in dem Augenblick, da er Lindsey grob herumgestoßen hatte, schmerzlich bewusst geworden, wie gut es ihm tat.
„Gute Nacht, Lindsey.“ Der junge Mann ließ tatsächlich von ihm ab, nickte nur bestätigend. Dann verließ Charles die Zelle, um sich in seinem Apartment zu verkriechen und die letzten Stunden noch einmal Revue passieren zu lassen.
~*~
Diese Nacht hatte Charles bei Weitem nicht so gut geschlafen, wie er es sich eigentlich erhofft hatte. Natürlich war es nicht der Dämon aus dem Keller gewesen, der ihn hatte unruhig schlafen lassen. Es war Lindsey gewesen. Lindsey und die Tatsache, dass Charles es seiner Meinung nach viel zu sehr genossen hatte, ihn herumzustoßen, sich von ihm in den Orgasmus treiben zu lassen und ihn dabei zu beobachten, wie Schmerz und Lust den jungen Ex-Anwalt in einen Zustand der puren Ekstase geschleudert hatten.
Als er am nächsten Morgen gegen sechs Uhr die Augen öffnete, wusste er mit unangenehmer Sicherheit, dass er es wieder wollte. Lindsey beobachten, ihn so sehen, ihn in diesen Zustand manövrieren und er wollte sich wieder von Lindsey in den Himmel katapultieren lassen. Der bloße Gedanke daran sorgte dafür, dass mehr Blut von seinem Körper in seine ohnehin schon steife Männlichkeit gepumpt wurde.
„Falls du es probieren möchtest: Kommt hierher“, dröhnten Aarons Worte in seinen Ohren, als er sich endlich dazu überwand, das Bett zu verlassen. Seufzend stieg Charles auch diesen Morgen unter den reichlich kalten Wasserstrahl der Dusche und kühlte sich erst einmal ordnungsgemäß ab, ehe er in die Kanzlei fuhr.
Dort angekommen wurden seine Gedanken allerdings schnell von Lindsey abgelenkt. Es herrschte Chaos. Auf einen reichlich unzufriedenen Klienten, der sich wegen der vielen Änderungen, die Angel in der Kanzlei vorgenommen hatte, beschwerte, folgte ein ganzer Auflauf von Dämonen, die alle durcheinander auf ihn einredeten und es kostete Charles einige Mühe, endlich Ordnung in das Chaos zu bringen und jemanden zu finden, der ihm den Sachverhalt darlegen konnte, ohne gleich völlig auszurasten.
Der Capo de Familia war auf einer Geschäftsreise in Rom ums Leben gekommen und es war die Aufgabe von Wolfram und Hart, den Leichnam zurückzuholen. Charles verbrachte erst einmal viel Zeit mit der Familie des Verstorbenen und holte sich alle Informationen, die er benötigte, versicherte ihnen immer wieder, dass sie sich um die Angelegenheit kümmern würden. Als Angel endlich auftauchte, wandte er sich mit der dringenden Angelegenheit umgehend an den beseelten Vampir und doch ging nichts vorwärts. Charles war richtig wütend. Angel wollte die Sache auf Spike abschieben, doch der weigerte sich, sich der Angelegenheit anzunehmen und die Uhr tickte unaufhörlich.
Der Zufall kam ihm zu Hilfe. Buffy sei in Rom mit irgendeinem Dämon, gegen den Spike und Angel augenscheinlich ziemlichen Groll hegten. Außerdem waren sie sofort der Überzeugung, dass dieser „Ewige“ wie sie ihn bezeichneten, die Hände im Spiel hatte. Im Grunde war es Charles egal. Wichtig war, dass Angel und Spike kurz darauf auf dem Weg nach Rom waren und den Capo de Familia holen wollten.
Charles betrat sein Büro und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Tür. Er schloss die Augen und holte tief Luft. Er hatte sich weit aus dem Fenster gewagt, in seiner Unterhaltung mit Angel. Weiter als für gewöhnlich. Und es hatte verdammt gut getan. Der Gedanke war ausreichend, um ihn zurück zu Lindsey zu bringen. Er verspürte den dringenden Wunsch, nach ihm zu sehen und sich zu erkundigen, wie es ihm ging, nach der reichlich anstrengenden Nacht. Andererseits hatte er keine Ahnung, wie er sich Lindsey gegenüber verhalten sollte. Immerhin hatten sie ein paar äußerst Intime Stunden verbracht und das war einfach nur seltsam, im Nachhinein betrachtet. Charles fühlte sich reichlich unwohl.
Kurz blitzte der Gedanken in seinem Gehirn auf, dass er zu Aaron fahren und ihn noch ein wenig über die ganze Sache ausfragen konnte. Seltsamerweise fiel es ihm weit leichter, sich mit ihm über Lindsey und sogar über seine sexuellen Neigungen zu unterhalten, als mit Lindsey selbst zu reden. Dabei hatte Charles keine Ahnung, woran das lag.
Doch er verwarf den Gedanken rasch wieder. Es kam ihm falsch vor, hinter Lindseys Rücken über derartig private Themen mit jemandem zu reden. Er presste die Handballen gegen die Schläfen. Irgendwie hatte schon früh morgens stechender Kopfschmerz eingesetzt und wollte einfach nicht nachlassen. Er schob sämtliche Gedanken wieder in eine Ecke seines Gehirns und kehrte an seinen Schreibtisch zurück, auf dem nach wie vor viel Arbeit wartete.
Immer wieder warf er einen Blick auf die Uhr. Die Zeit rannte viel zu rasch davon. Spike und Angel hatten noch 20 Stunden, um den Leichnam zurückzubringen. Es hing so viel von ihnen ab. Konzentration war für Charles längst wieder zum Fremdwort geworden und als er sich etwas später genervt in seinem Sessel zurücklehnte und die Hände frustriert in die Hosentaschen schob, stieß er gegen das kleine Fläschchen, das ihm Aaron bei seinem Abschied noch in die Hand gedrückt hatte.
„Wird er mit Sicherheit brauchen. Hilft gegen seinen Muskelkater.“
Seufzend stand Charles auf, warf sämtliche Bedenken über Bord und machte sich auf den Weg zu Lindsey. Er hatte das Gefühl, es dem jungen Mann wirklich schuldig zu sein, sich wenigstens nach seinem Wohlbefinden zu erkundigen.
~*~
„Mr. Gunn. Willkommen zurück. Ich hoffe, die Befragung verlief nach Plan?“
„Nein“, knurrte Charles vorsorglich. „Könnte sein, dass ich ihn noch mal mitnehmen muss. Er ist wirklich stur.“
„Ja, das ist er. Darf ich fragen, um welche Informationen es sich handelt?“
„Tut mir leid, die Angelegenheit ist klassifiziert.“
„Ah. Ich verstehe.“
„Was macht er für einen Eindruck auf Sie?“
„Ich verstehe nicht ganz …“ Charles lächelte böse.
„Ist Ihnen irgendetwas an ihm aufgefallen? Verhält er sich anders als sonst?“
„Ah … jetzt wo Sie es sagen. Er ist weniger aktiv als üblich. Liegt fast nur auf seiner Pritsche, scheint aber nicht zu schlafen.“ Charles nickte schweigend. Das klang als hätte sich Lindsey in der vorherigen Nacht wirklich etwas verausgabt.
„Ich will zu ihm. Und besorgen Sie mir noch mal so ein Formular. Mal sehen, wann er für ein weiteres Verhör in der Verfassung ist. Draufgehen sollte er ja nicht, solange er die Informationen noch nicht ausgespuckt hat.“
„Das wird nicht nötig sein, Mr. Gunn. Sie haben das Formular ja bereits ausgefüllt und die Vollmacht liegt uns auch vor. Es steht Ihnen frei, ihn jederzeit mitzunehmen. Kurze Unterschrift, dass er bei Ihnen ist und schon ist die Sache erledigt.“
„Danke für die Information. Machen Sie mir dann die Tür auf?“
„Aber natürlich!“ Der Wärter sprang rasch von seinem Tisch auf und beeilte sich, an Charles vorbei zur Tür zu gehen und sie für ihn zu öffnen. Charles trat ein und warf einen Blick auf die Kameras.
„Schalten Sie die Dinger ab. Ich will ein wenig mit ihm alleine sein.“ Wieder lächelte er boshaft. Der Wärter erwiderte das Lächeln und nickte, zum Zeichen, dass er verstanden hatte. Dann fiel die Tür ins Schloss. Charles hob den Blick und wartete darauf, dass die Kameras abgeschaltet wurden. Dann erst wandte er seine Aufmerksamkeit dem jungen Mann auf der Pritsche zu. „Lindsey?“, erkundigte er sich vorsichtig, weil er das Gesicht des Mannes nicht sehen konnte und sich nicht sicher war, ob er vielleicht doch schlief.
„Hey!“ Lindsey regte sich ein wenig, hielt dann wieder inne und stöhnte leise. Charles zog die Augenbrauen zusammen und sah ihn nachdenklich an. Endlich drehte sich Lindsey zu ihm um und sein Gesicht verriet deutlich, dass er Schmerzen hatte. „Ich hoffe, du nimmst mir nicht übel, wenn ich liegen bleibe …“, murmelte der Gefangene mit einem beinahe scheuen Lächeln.
„So schlimm, huh?“ Charles trat etwas unsicher näher und nahm sich einen Stuhl mit.
„Nicht schlimmer als ich erwartet hatte. Obwohl ich zugeben muss, dass mir Aaron heute ganz gewaltig fehlt.“ Lindsey verzog das Gesicht. Charles runzelte die Stirn. Er war sich nicht so ganz sicher, aber irgendwie schmerzte die Aussage ein wenig. Oder er bildete es sich nur ein. „Für gewöhnlich hätte ich mir den Tag nach so einer extremen Session frei genommen oder wäre an einem Freitag zu ihm gegangen und dann geblieben“, erzählte Lindsey weiter. „Dann hätte er mich heute den ganzen Tag bemuttert und umsorgt.“ Er lächelte versonnen. Charles starrte Lindsey verdattert an. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich der junge Mann wie ein kleines Kind bemuttern lassen würde. Das war einfach zu abwegig. „Was? Sub sein hat auch seine Vorteile.“
„Ahm …“ Charles räusperte sich. Lindseys Gesichtsausdruck änderte sich erneut. Er starrte gegen die Decke, durch den Beton hindurch, in weite Ferne und in eine andere Zeit, wie Charles rasch klar wurde.
„Ist schon seltsam. Das erste Mal das ich erfahren habe, wie es ist, wenn sich wirklich jemand um einen sorgt … das war durch Aaron.“ Er lachte leise. „Vermutlich hab ich es deshalb so sehr ausgekostet. Und jetzt ist er leider nicht da.“ Lindsey seufzte. „Na gut. Dann lass ich mich eben nicht so hängen und trag es wie ein Mann.“ Er wandte den Kopf in Charles Richtung und grinste. Dann richtete er sich tatsächlich auf, was aber ganz offensichtlich so gar nicht leicht war. Lindsey bewegte sich betont langsam und vorsichtig. „Gut. Was führt dich in mein Königreich?“, fragte er dann grinsend, als er endlich aufrecht und gegen die Wand gelehnt auf seiner Pritsche saß und Charles fragend ansah.
Charles musste bei der Wortwahl lächeln. „Nichts Bestimmtes. Wollte nur mal sehen, wie es dir geht.“ Lindsey zog einen Schmollmund und sah ihn mit großen, babyblauen Augen an.
„Armer kleiner Lindsey hat böses Aua.“, quiekte er dann zutiefst betroffen.
Charles konnte nicht anders. Er brach in schallendes Gelächter aus und dass Lindsey nur noch mehr schmollte, half ihm nicht dabei, sich zu beruhigen. Dann aber grinste auch der junge Mann breit und senkte etwas den Blick. „Ich bin trotz allem wohl etwas zu gut gelaunt, heute“, meinte er schließlich. Er lehnte den Kopf wieder zurück gegen die Wand und verzog erneut das Gesicht. „Na ja“, erklärte er dann gedehnt. „So lange ich mich nicht bewege.“
Charles zog das Fläschchen aus seiner Tasche und hielt es Lindsey hin.
„Hast du eine Ahnung, was das ist? Aaron hat mir das gestern noch in die Hand gedrückt.“
„Hat er?“ Lindsey nahm das Fläschchen und begutachtete es nachdenklich. Dann lächelte er. „Aaron, du bist ein Engel“, murmelte er zufrieden. „Arnika. Für die Muskeln.“
„Zum einnehmen?“
„Nope. Das ist zum einreiben und einmassieren.“ Charles nickte schwach. Er befeuchtete sich verstohlen die Lippen.
„Soll ich?“, erkundigte er sich dann zögerlich und streckte die Hand in Richtung Lindsey aus, der ihn daraufhin fragend ansah. „Ich meine … soll ich dir helfen? Vermute mal, du kommst eher schlecht an deinen eigenen Rücken ran.“ Charles fluchte innerlich. Wieso klang es wie eine Entschuldigung für seine Frage? Er hatte Lindsey doch eigentlich ganz souverän seine Hilfe anbieten wollen.
„Musst du nicht.“
„Gib schon her. Oder ist dir der Gedanke unangenehm?“, meinte Charles lächelnd. Blaue Augen bohrten sich erneut in seine.
„Soll ich die Frage wirklich beantworten?“, fragte Lindsey leise und mit einem Unterton, der Charles einen wohligen Schauer über den Rücken jagte, was diesen erneut irritierte.
„Ich glaube das ist nicht nötig.“ Charles’ Stimme war ebenso leise. Er hatte soeben beschlossen, seine Scheu über Bord zu werfen. Immerhin hatten sie einander schon nackt gesehen und sich berührt. Sehr intim sogar. Warum sollte er sich dann wie ein kleines Kind anstellen, wenn es doch nur darum ging, Lindsey den Rücken mit dem Kram einzureiben. Wortlos nahm er das kleine Gefäß aus Lindseys Hand und stellte es auf seinen Stuhl, nachdem er aufgestanden war. „Also runter mit dem Hemd. Sonst komm ich da nicht ran“, verlangte er ruhig.
Lindsey gehorchte, wobei ihm Charles sogar noch dabei behilflich war und ihn dann anwies, sich auf die Pritsche zu legen. Er wartete, bis Lindsey es sich so bequem wie möglich gemacht hatte und ließ dann etwas von dem dickflüssigen Balsam in seine Hand laufen. Da er das Fläschchen die ganze Zeit in der Hosentasche herumgetragen hatte, war der Inhalt angenehm warm und er begann umgehend damit, Lindseys Nacken und seine Schultern damit einzureiben und ihn zu massieren.
„Gib bescheid, wenn ich dir wehtue“, murmelte er leise, erhielt von Lindsey jedoch nur ein amüsiertes Lächeln für die Worte. Erst da wurde ihm der Irrsinn in seiner Aussage bewusst. „Ich vergaß“, schmunzelte er und erhöhte den Druck seiner Hände noch etwas weiter.
Lindsey brummte behaglich und schloss die Augen. Charles sparte die größeren Wunden aus, doch über die kleineren Striemen und Prellungen massierte er einfach drüber. Der Andere würde ihm schon mitteilen, wenn es zu schmerzhaft wurde. Aber wie er es erwartet hatte, kam von Lindsey keine Beschwerde.
Charles stellte irgendwann fest, dass Lindsey unter seinen massierenden Händen eingeschlafen war. Lächelnd zog er die Decke unter seinem Körper hervor und deckte ihn zu. Dann verließ er die Zelle, wobei er das Fläschchen mitnahm. Allerdings nahm er sich vor, noch einmal nach Lindsey zu sehen, bevor er nach Hause ging.
Okay, ihr lieben. Ich fasse mich heute ungewohnt kurz. Ich bin total krank und geh gleich wieder ins Bett, aber ich wollte euch noch etwas Lesestoff dalassen ;)
Danke für's Lesen, Punkte geben und Kommentieren bis hierher. Freut mich wirklich ungemein!
@Bronx: *blush* Vielen herzlichen Dank, Süße! Bin echt unglaublich froh, dass ich dieses knistern und alles rüberbringen konnte. Wie du dich sicherlich erinnern kannst, war ich verdammt unsicher, deswegen.
Freut mich ungemein, dass dir die Story so überaus gut gefällt und vielen lieben Dank für den Kommentar!
@Lackluder: Nah, ned hören wollen stimmt auch ned so wirklich ;) Vielen Dank für den Kommi und freut mich, dass es dir wieder gefallen hat! *knuddelz*
@Meg: Bekehrt??? Zu Slash?? Zu Linds?? Ooookay. *macht sich nen Strich auf ihre Bekehrungsliste :D
Ne, freut mich ungemein, dass dir die Geschichte so total gut gefällt und wenn du jetzt auch noch Lindsey-fan bist, wegen meinem kleinen Verbrechen, freue ich mich gleich noch viel mehr ;)
Darfst dich noch auf so einige Teile freuen... ich rechne mit 18-20 (aber wer mich kennt, der weiß, dass das nix aussagt, weil es kann immer mehr werden als ursprünglich angenommen *lol*)
Vielen Dank auch dieses Mal wieder für deinen superlieben Kommentar!