
Autor: Amancham
E-Mail Adresse: amancham@gmx.net
Homepage: http://fiction.intayale.de
Titel: Das andere Ich
Inhalt: Der berüchtigte "Morgen danach" bringt für Charles Gunn einige Erkenntnisse und neue Erfahrungen.
Spoiler: spielt ab 5.19
Altersfreigabe: ab 18 Jahren
Teil: 14/18
Disclaimer: I do not own the characters in this story, nor do I own any rights to the television show "Buffy the Vampire Slayer". They were created by Joss Whedon and belong to him, Mutant Enemy, Sandollar Television, Kuzui Enterprises, 20th Century Fox Television and the WB Television Network.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Gunn/Lindsey
Kommentar: Und noch ein Kap für euch
Warnings: Slash, H/C, BDSM, Dark

Charles hatte sich längst auf das Bett sinken lassen. Er fühlte sich angenehm ruhig, schläfrig und ausgelastet. Träge schob er sich etwas zur Seite, damit Aaron Lindsey neben ihm ablegen konnte. Der junge Mann blinzelte träge, ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen.
„So. Ihr beiden ruht euch erst mal aus. Ich räum inzwischen auf.“ Aaron lächelte freundlich.
„Bist doch gar nicht zum Zug gekommen“, murmelte Lindsey und wies mit einer trägen Handbewegung auf die deutliche Beule in Aarons Hose.
„Macht nichts. Darum ging es heute nicht“, schmunzelte der Mann ruhig.
„Soll ich nicht …“
„Nein, Lindsey. Es ist lieb, dass du dich noch um mich kümmern willst, aber du kannst ja kaum die Augen aufhalten.“ Aaron lachte und tippte Lindsey mit dem Zeigefinger auf die Nasenspitze. Matt aber mit neuer Kraft rappelte sich dieser hoch und schüttelte heftig den Kopf.
„Das ist nicht in Ordnung“, widersprach er. „Es ist doch meine Aufgabe als Sub …“
„Lindsey.“ Aarons Stimme war leise aber streng. „Leg dich hin und ruh dich aus.
„Aber …“
„Charles“, wandte sich Aaron daraufhin an den recht ruhigen und unbeteiligten Dritten in der Runde. Dieser blickte fragend zu ihm hoch. „Egal wie, aber bring deinen Sub zum Schweigen“, meinte Aaron als er sich abwandte. „Und er soll sich wirklich hinlegen und ausruhen.“
„Aber …“, wollte Lindsey erneut widersprechen und machte tatsächlich Anstalten, das Bett zu verlassen. Charles zog die Augenbrauen hoch, doch ehe Lindsey einen Fuß auf den Boden brachte, schlang er die Arme um seinen Oberkörper und zog den jungen Mann heftig an sich.
„Hast gehört, was er gesagt hat“, murmelte Charles und legte sich halb auf Lindsey um ihn mit seinem Körpergewicht festzuhalten. Dabei spürte er wieder deutlich das angenehme Vibrieren und Kribbeln, das von Lindseys Körper abstrahlte „Und wenn du nicht folgst, dann bring ich dich nicht mehr hierher“, drohte Charles scherzend. Lindsey schmollte für einen Moment, doch dann grinste er frech.
„Dann würde dir aber auch langweilig werden.“
„Vielleicht komm ich alleine zu Aaron und lass mir auch mal noch ne Einführung in diese ganze Sub-Angelegenheit geben“, frotzelte Charles.
„Näh! Niemals. Du bist kein Sub.“
„Das hätte ich von dir auch nie gedacht aber doch bist du es.“
„Das ist mein anderes Ich.“ Lindsey grinste. „Willst du noch länger mit mir herumblödeln oder bringst du mich endlich zum Schweigen?“
„Hm. Wo ist der Ballknebel?“ Grinsend streckte sich Charles, als wollte er tatsächlich danach suchen. Lindsey verdrehte die Augen und schmollte schon wieder. „Meine Güte. Du benimmst dich wie ein kleines Kind.“
„Gib’s doch zu. Du stehst drauf.“
„Ich muss zugeben, dass es verdammt süß aussieht, wenn du schmollst.“
„Tut es das?“, murmelte Lindsey und hob den Kopf leicht an. Weil Charles aber gar nicht auf die Bewegung und die offene Einladung einging, schob er erneut beleidigt die Unterlippe vor. Charles lachte leise und beugte sich dann etwas tiefer, ließ seine Zunge hauchzart über Lindseys Lippen streifen.
„Ja. Tut es“, murmelte er, ehe er Lindseys Lippen endlich mit den seinen verschloss.
Aaron tauchte in der Zwischenzeit wieder neben ihnen auf, mit der wohlbekannten Schale mit Wasser.
„Hm“, meinte er nachdenklich. „Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ihr habt beide eure Rolle abgelegt und wie mir scheint haben wir das Spiel viel zu schnell beendet. Du scheinst mir nicht ausgelastet, Lindsey.“ Schuldbewusst senkten beide den Blick, während sie sich aufsetzten.
„Tut mir leid, ich dachte …“, murmelte Charles verwirrt und Lindsey schwieg. Aaron lachte.
„Schon okay. Ich wollte euch nur aufziehen. Schön, dass du dich wieder gefangen hast.“ Liebevoll strich er Lindsey über die Wange. „Hatte mir echt Sorgen gemacht.“ Lindsey sah nicht hoch. Er machte den Eindruck, als wäre es ihm unangenehm, auf den Tag und seinen Zusammenbruch angesprochen zu werden.
„Die hab ich mir auch gemacht“, murmelte Charles leise, fast schon einem Geständnis gleich. Ein leichtes Lächeln ließ Lindseys Mundwinkel nach oben zucken.
„Es geht mir gut. Wirklich.“
„M-hm“, brummte Aaron misstrauisch. „Und warum sträubst du dich dann dagegen, endlich einzuschlafen?“ Er betrachtete Lindsey mit einem geradezu lauernden Blick.
„Ertappt.“ Lindsey seufzte und schloss kurz die Augen. Aaron nickte schweigend.
„Hey.“ Charles ließ die Hand durch Lindseys Haare gleiten, streichelte dann sanft seine Wange. „Du bist hier sicher. Und du bist nicht allein.“ Ein Muskel in Lindseys Wange zuckte, er ließ langsam seine Zunge über seine Lippen gleiten und sah von Charles zu Aaron und wieder zurück.
„Bleibt ihr … ich meine …“
„Ja“, bestätigte Charles sanft. „Ich bleibe auf jeden Fall hier. Ich lasse dich nicht alleine.“ Fragend sah Lindsey Aaron an, der den fragenden Blick kurz weitergab, als wolle er Charles um Erlaubnis bitten. Der nickte gelassen. Gut, würde er eben mit zwei Männern das Bett teilen. Was war schon dabei? Nach allem, was er heute getan hatte, machte das auch schon keinen Unterschied mehr.
„Wir bleiben beide hier“, bestätigte Aaron schließlich. Lindsey lächelte dankbar, dann klappte er regelrecht zusammen. Charles hatte den Eindruck, dass mit der Versicherung, dass er nicht allein sein würde, sämtliche Anspannung aus seinem Körper floss und nur das der einzige Grund gewesen war, warum er überhaupt aufrecht auf dem Bett gesessen war. Nur wenige Atemzüge später schien er bereits zu schlafen. „Wusste ich es doch“, murmelte Aaron fast schon missmutig. „Wenn ich wüsste, wem ich dafür den Hosenboden stramm ziehen muss, ich würde es sofort tun. Ihn so fertig zu machen … verdammte Sadisten.“ Fast musste Charles bei dem kleinen Ausbruch grinsen, aber er konnte Aaron gut verstehen. Ihm selbst war es ja auch überhaupt nicht recht, dass Lindsey so leiden musste.
Aaron wartete noch einen Moment, bis er absolut sicher war, dass Lindsey wirklich schlief, um ihn nicht sogleich wieder aufzuwecken. Dann begann er auch dieses Mal damit, den Körper des kleineren Mannes liebevoll und sanft zu reinigen. Charles zögerte keinen Moment, sondern half ihm sofort dabei, ohne jegliche Scheu davor, Lindsey auch intim zu berühren. Es wäre ja nach den vergangenen Stunden auch wirklich blödsinnig gewesen, sich plötzlich zu zieren.
Als sie fertig waren, wusch auch Charles sich rasch am Waschbecken, ehe er zurück zum Bett kam und wieder an Lindseys Seite Platz nahm. Aaron legte sich auf die andere Seite des Schlafenden und sie deckten ihn fein säuberlich zu. Gerade als der ältere Mann jedoch die letzten Kerzen löschen wollte, hielt ihn Charles auf.
„Glaub mir, keine gute Idee. Er braucht mit Sicherheit etwas Licht, nur für den Fall, dass er aufwacht“, meinte er leise. Aaron nickte knapp, stellte jedoch keine weiteren Fragen. Eng an Lindsey gedrängt, ihn regelrecht zwischen ihnen einklemmend, überkam auch die beiden anderen Männer bald der Schlaf.
~*~
Charles erwachte früh. Er blinzelte und wurde sich nur langsam bewusst, wo er war und mit wem er im Bett lag. Es fiel ihm schwer, seinen Körper klar zu spüren. Irgendwie fühlte er sich, als wäre er Teil einer großen Masse und so sahen sie wohl auch aus, als sich sein Blick langsam klärte. Aaron lag auf dem Rücken, seine rechte Hand ruhte in Lindseys Nacken, der halb über ihm lag, einen Arm unter den Körper des großen Mannes geschoben. Charles lag an Lindsey und Aaron gedrängt. Sein Kopf ruhte auf Aarons Oberarm, dessen Hand irgendwo auf seinem unteren Rücken lag. Sein Ellenbogen bohrte sich in Aarons Brust und Lindseys Kopf, dem sein Arm scheinbar als Kissen diente, pinnte ihn dort fest. Ein Bein hatte Charles irgendwie fast schon um Lindseys Bein gewickelt. Seinen anderen Arm hatte Lindsey scheinbar irgendwann in der Nacht ergriffen, ihn sich regelrecht unter den freien Arm geklemmt, seine Finger mit denen von Charles verschlungen und presste ihre ineinander gekreuzten Finger an seine Brust als wäre Charles’ Hand ein Rettungsring, der ihn vor dem Ertrinken bewahren würde. Auf jeden Fall war die Haltung alles andere als bequem.
Charles stöhnte verhalten und versuchte irgendwie die Verschlingungen und Verwirrungen aufzulösen, die ihn an Ort und Stelle hielten. Doch Lindsey gab seine Hand nicht frei, ließ nicht zu, dass er den Arm unter seinem Kopf hervorzog und Aaron drückte ihn mit der Hand in seinem Rücken noch enger an seinen und Lindseys Körper als sich Charles etwas bewegte. Doch immerhin gelang es ihm sein Bein freizubekommen, was Lindsey allerdings mit einem leichten Zittern und einem schläfrigen Wimmern quittierte.
Das war immerhin genug, um Aaron aufzuwecken, der schläfrig blinzelnd den Kopf etwas hob und mit gerunzelter Stirn das Durcheinander ihrer Körper betrachtete. „Morgen“, murmelte er träge und verzog dann leicht das Gesicht. „Gut dass dein Arm nicht etwas höher liegt, sonst hättest du mich in der Nacht ordentlich stranguliert.“
„Tut mir leid, komm grad nicht so recht frei“, brummte Charles unmutig. Aaron lachte leise.
„Nein, kommst du wohl nicht.“ Er löste immerhin seine Hand von Charles’ Rücken und fing dann an, behutsam Lindseys Nacken zu massieren. Ein wohliges Seufzen war die erste Reaktion, zu der sich der junge Mann bewegen ließ, dann rieb er leicht den Kopf gegen Charles’ Arm. „Na komm schon, Lindsey. Wach auf“, meinte Aaron liebevoll. Tatsächlich regte sich der Angesprochene, brummte dann aber und lag wieder ruhig. „Hey, Schlafmütze. Ihr solltet Duschen und dann zurückfahren!“ Aarons Stimme wurde etwas lauter. Wieder brummte Lindsey, seufzte schließlich und hob leicht den Kopf, wodurch Charles zumindest einen Arm frei bekam. „Zeit zum Aufstehen, Dornröschen!“
„Hierbleiben“, grummelte Lindsey missmutig.
„Geht nicht, Lindsey. Ich komm in Teufels Küche, wenn ich dich nicht wieder abliefere“, versuchte Charles es eben mit Vernunft. Nur widerwillig gab Lindsey ihn endlich frei und setzte sich dann tatsächlich auf, fuhr sich schläfrig mit der Hand über das Gesicht.
„Darf ich wenigstens noch duschen?“, erkundigte er sich missmutig.
„Du darfst sogar noch frühstücken“, schmunzelte Aaron. „Nimm Charles mit und wenn ihr mit Duschen fertig seid, hab ich den Kaffee fertig und den Tisch gedeckt.“ Damit stand Aaron auf und ließ die beiden alleine auf dem Bett zurück.
Lindsey seufzte wieder und rutschte zum Rand der Matratze, ehe er sich umdrehte. „Hast ihn gehört. Musst mitkommen“, brabbelte er noch immer schläfrig und griff einfach nach Charles’ Hand. Der ließ sich etwas verwirrt aber widerstandslos mitziehen.
Lindsey ließ die Tür hinter ihnen ins Schloss fallen und öffnete einen kleinen Schrank. „Aaron, ich liebe dich!“, murmelte er zufrieden, zog zwei originalverpackte Zahnbürsten aus dem Kasten und drückte Charles grinsend eine in die Hand. Völlig ferngesteuert nahm dieser das Utensil entgegen, nahm es aus der Verpackung und fing dann an, sich die Zähne zu putzen, nachdem ihm Lindsey auch noch die Zahnpastatube in die Hand gedrückt hatte. Als sie damit fertig waren, schaltete dieser das Wasser in der geräumigen Duschkabine an. Charles stand etwas unschlüssig da und beobachtete ihn. Schließlich wandte sich der junge Mann um und suchte seinen Blick.
„Alles klar? Du wirkst verwirrt.“
„Ah … ich … duschen? Gemeinsam?“
„Sag jetzt nicht, du hast damit ein Problem.“ Lindsey grinste frech.
„Ich glaube doch.“
„Wos? Vögeln konntest du mich gestern schon, aber jetzt hast du ein Problem mit mir unter die Dusche zu steigen?“ Charles öffnete den Mund, schloss ihn wieder, starrte Lindsey entsetzt und peinlich berührt an. Dieser senkte rasch den Blick. „Entschuldige. Das war nicht so gemeint, wie es jetzt vermutlich klang“, murmelte er verunsichert.
„Aha.“ Charles’ Tonfall war monoton, verriet nicht, was er gerade dachte. Er war verletzt, peinlich berührt, verunsichert. Er konnte selbst nicht sagen, warum ihn der Gedanke so ungemein störte. Lindsey trat zögerlich etwas näher, suchte seinen Blick.
„Charles.“ Liebevoll zeichnete er Charles Lippen mit seinem Daumen nach. „Wovor hast du Angst?“
„Nicht Angst, es ist nur …“
„Seltsam“, schloss Lindsey seinen vagen Erklärungsversuch. „Hast du Bedenken, wegen letzter Nacht? Ein schlechtes Gewissen?“ Charles zuckte leicht die Schultern. Er war verspannt, fühlte sich noch immer etwas müde, überfordert. „Hat es dir nicht gefallen?“
„Doch schon. Es ist nur …“ Charles schüttelte den Kopf.
„Ist nur was?“, erkundigte sich Lindsey sanft.
„Ich weiß auch nicht. Fühle mich seltsam.“
„Hey.“ Lindsey schloss zu ihm auf, ihre Körper nur noch getrennt von einem winzigen Spalt Luft, der sich noch zwischen ihnen befand. Er streichelte sanft über Charles Brust.
„Mir hat es gefallen“, flüsterte er leise. „Verdammt gut sogar.“
„Das ist die Hauptsache.“
„Nein.“ Lindsey schüttelte den Kopf. „Bei diesen Spielen ist es verdammt wichtig, dass beide Seiten Gefallen daran finden. Sonst bringt das nichts.“
„Ich sagte doch, es hat mir gefallen. Es ist nur …“ Charles verstummte erneut. Lindsey lächelte sanft.
„Das sieht mir nach Top Drop aus“, meinte er liebevoll und unglaublich sanft. „Mein Fehler. Tut mir leid. Ich habe nicht genug auf dich geachtet,war egoistisch.“
„Hä?“ Verständnislos starrte Charles in Lindseys Augen.
„Hm. Wie erklär ich das am besten?“, grübelte Lindsey vor sich hin. „Während einer Session kann es passieren, dass der Sub abstürzt. Dann schlägt die Sache um und anstatt Lustschmerz ist es tatsächlicher Schmerz. Ebenso kann der Dom während der Session abstürzen, was aber nicht so oft vorkommt. Was viel häufiger passiert ist dieser Top Drop. Setzt erst am nächsten Tag ein, bringt meist Schuldgefühle, Selbstekel und dergleichen mit sich. Es ist die Aufgabe des Sub, dafür zu sorgen, dass so was nicht passiert. Aber ich habe mich nicht genug um dich gekümmert und es ist meine Schuld, wenn es dir heute nicht gut geht. Es tut mir wirklich leid.“ Charles runzelte die Stirn.
„Dich um mich gekümmert?“, hakte er nach. Lindsey nickte langsam.
„Ich hätte dir gestern schon zeigen müssen, wie sehr es mir gefallen hat. Ich hätte dich bestätigen müssen, dir zu verstehen geben, dass ich es genossen habe und dass du nichts falsch gemacht hast.“ Jetzt musste Charles lächeln.
„Ich krieg langsam den Eindruck, dass du nicht weniger Verpflichtung in dieser Rollenverteilung hast, als dein Partner.“
„Du“, meinte Lindsey sanft.
„Daran stoße ich mich noch ein bisschen“, gab Charles endlich zu. „Ich meine … es ist so viel passiert und so schnell … und es ist einfach ungewohnt. Der Gedanke an sich ist schon seltsam … ich meine, bis vor einer Woche oder so war ich noch der festen Überzeugung, dass ich auf Frauen stehe aber gestern hab ich … und ich wollte es, verdammt. Das ist es, was mich so verwirrt.“ Lindsey nickte langsam.
„Falls es dich in irgendeiner Weise beruhigt: ich wollte es auch. Ich wollte es so sehr … Gott, Charles du weißt nicht, wie sehr ich mich danach gesehnt habe.“ Er senkte fast schon beschämt den Blick. „Ich hatte es erhofft aber nicht erwartet. Als Aaron mir die Augenbinde abnahm …“ Ein leichter Schauer jagte durch Lindseys Körper. „In deine Augen zu blicken … Das war wie der Himmel.“
„Du bringst mich durcheinander … und du machst mich verlegen. Ich werde ja rot wie ein Schulmädchen“, grummelte Charles missmutig. Lindsey lächelte kurz, doch sein Blick wurde wieder ernst.
„Ich mach keine Witze“, flüsterte er schließlich. „Aber ich will dich nicht bedrängen. Wir können auch getrennt duschen, wenn dir das lieber ist. Lass dir Zeit. Dazu hast du jedes Recht. Ich bin dir sehr dankbar für den Abend, aber ich verlange nichts von dir.“ Nachdenklich ließ Charles seine Zunge über seine Lippen gleiten, ehe er bestimmt den Kopf schüttelte.
„Nein.“ Damit beugte er sich vor und ließ seine Lippen ganz sachte über Lindseys streichen. Dieser reagierte sofort darauf. Seine Hand glitt über Charles’ Wange in seinen Nacken und er zog ihn für einen sanften aber intensiven Kuss näher. Als sie sich wieder voneinander gelöst hatten ließ Charles zu, dass Lindsey ihn leicht in Richtung Dusche drängte und nacheinander betraten sie die geräumige Duschkabine. Lindsey griff nach Seife und Schwamm und lächelte sanft.
„Darf ich?“ Erkundigte er sich und wies auf Charles’ Rücken. Der nickte knapp und drehte sich um. Er schloss die Augen, als Lindsey anfing, ihm liebevoll den Rücken einzuseifen.
„Darf ich dich etwas fragen?“, meinte Charles nach einem Augenblick.
„Sicher.“
„Erzählst du mir davon?“
„Hm. Wovon denn?“
„Von … von deiner Rolle, von dem was da in dir vorgeht. Ich würde es gerne verstehen.“
„Hm.“ Lindsey hielt kurz inne. „Das ist schwer zu erklären“, meinte er dann langsam. „Ich gebe sämtliche Kontrolle ab, lege mein Leben in die Hände einer anderen Person. In der Situation habe ich wenig Einfluss auf das was passieren wird, keine Kontrolle darüber. Oft weiß ich auch nicht, was mich erwartet, das alleine sorgt schon für ein gewisses Prickeln.“ Charles nickte langsam. „Für mich ist es entspannend, wenn ich nicht nachdenken muss. Nur Befehlen gehorchen, das tun, was mir gesagt wird. Ich kann mich einfach fallen lassen.“ Der Schwamm glitt sachte über Charles Haut, in kreisenden Bewegungen über seinen Rücken nach unten.
„Hey, das mit dem Ingwer …“
Lindsey lachte daraufhin leise. „Ingwer ist zum Essen da, nicht für den Sex“, schmunzelte er.
„Wie fühlt sich das denn an, ich meine …“ Lindsey hielt einen Moment inne, ehe er mit den sanft kreisenden Bewegungen fortfuhr.
„Meinst du nur den Ingwer an sich? Oder generell das Gefühl penetriert zu werden?“, erkundigte er sich leise. Charles zögerte einen Moment, zuckte dann leicht die Schultern.
„Beides?“, schlug er vor.
„Ingwer brennt. Ganz gewaltig“, meinte Lindsey schließlich leise.
„Aber du magst das … meinte zumindest Aaron.“
„Ja. Weil es ungefährlich ist. Die Sache mit dem Lustschmerz ist verrückt. Wenn der Schmerz nur langsam zunimmt, ich Zeit habe, mich darauf einzustellen, dann fange ich irgendwann an zu fliegen. Besser als jeder Drogenrausch. Die ganze Welt wird einfach ausgeblendet und da bin nur noch ich, mein Körper und Wellen von Lust. Ein unbeschreibliches Gefühl. Deshalb lasse ich das alles zu. Ich lass mich schlagen und misshandeln, weil ich weiß, dass irgendwann der Punkt kommt, wo es völlig egal ist, wo der Schmerz nicht mehr zu existieren scheint und wo ich mich vollkommen losgelöst fühle. Eine Session muss nicht immer auf Sex hinauslaufen. Dieser kleine Höhenflug ist für mich das eigentliche Ziel. Alles was darüber hinaus passiert und gut ist, ist nur eine Draufgabe, ein Bonus.“
„Klingt ja fast schon verführerisch“, schmunzelte Charles. Lindsey legte einen Arm um ihn und drängte sich an ihn, glitschige Haut glitt übereinander, jagte Charles einen wohligen Schauer über den Rücken.
„Ich erzähle nur meine Sicht der Dinge“, flüsterte Lindsey. „Du solltest dir verdammt gut überlegen ob du das wirklich ausprobieren willst. Aaron hat mir mal die Rolle des dominanten Partners schmackhaft gemacht und wir haben es ausprobiert. Er ist Switcher, musst du wissen. Er kann beide Rollen übernehmen. Aber wir haben nach 20 Minuten abgebrochen. Absolut nicht mein Fall. Den Rest der Session haben wir in gewohnter Rollenverteilung gespielt. Dominant sein ist so gar nicht meine Welt.“
„Okay. Dann lass ich das mal lieber.“ Charles schmunzelte. Er hatte fast das Gefühl, dass Lindsey nicht wollte, dass er vielleicht die devote Seite gut finden könnte. Tatsächlich hatte er den Eindruck, der junge Mann, der sich so vertraut an seinen Rücken schmiegte, hatte Angst ihn als dominanten Partner zu verlieren. „Keine Sorge.“ Charles drehte sich halb um und sah Lindsey an. „Kann mir nicht vorstellen, dass ich es auch nur annähernd gut finden würde, wenn mir irgendwer was in den Hintern schiebt. Spätestens da hört meine Experimentierfreude auf.“ Lindsey grinste.
„Ach. Ist eigentlich ein gutes Gefühl. Tut anfangs etwas weh, bis sich der Körper daran gewöhnt hat und man es schafft, die Muskeln wirklich zu entspannen. Aber dann.“ Lindsey brummte behaglich. „Ein verdammt gutes Gefühl. Einem anderen so nah zu sein, zu wissen, dass man ihn durch die eigene Hingabe in einen ähnlichen Himmel katapultieren kann … Das Gefühl, begehrt und gewollt zu werden. Eine Empfindung, die Vollkommenheit gleicht, ausgefüllt zu sein …“
„Wenn du so weitermachst, werd ich doch noch experimentierfreudig“, lachte Charles.
„So, so.“ Charles zögerte. Längst hatte sein Körper angefangen, auf Lindseys Zärtlichkeiten und seine Ausführungen mit einer begeisterten Erregung zu reagieren. Denken war schon vor einer Weile ein Kraftakt geworden und Verlangen immer weiter in den Vordergrund getreten. Lindseys schwellende Härte drängte gegen seinen Hintern und jagte wohlige Schauer durch Charles’ Körper.
„Würdest du es mir zeigen?“
„Aaron wäre dafür besser …“
„Ich will aber nicht, dass mir Aaron irgendwas in den Hintern stopft“, wehrte Charles sogleich ab. „Ich mag ihn. Er ist wirklich nett, aber das …“
„Nur ein Vorschlag“, flüsterte Lindsey und keuchte leise, als sich Charles ohne Nachdenken enger an ihn presste.
„Charles.“ Lindsey stöhnte auf, drängte voller Verlangen gegen ihn. „Gott, hör auf, sonst vergesse ich mich und zeig dir eine Welt, die du vielleicht lieber doch nicht kennen lernen willst. Und mich dann abhalten wird schwer.“
„Tu es“, keuchte Charles verlangend.
„Was?“ Lindseys Stimme war rau.
„Bitte.“ Der junge Mann löste sich von ihm drehte ihn um, sah ihm tief in die Augen.
„Charles. Bist du sicher?“, flüsterte er vorsichtig. Denken war zu anstrengend, nur Fühlen war wichtig und im Moment wollte Charles Lindsey fühlen. Überall, vollkommen. Er war viel zu neugierig um jetzt den Kopf zu schütteln, seine pochende Erregung erklärte drängend, dass etwas passieren musste. Also nickte er knapp. Lindsey ließ seine Zungenspitze über seine Lippen gleiten, heißes Wasser prasselte auf ihre Körper, erhitzte sie nur noch mehr. Schließlich nickte Lindsey zögerlich und hob dann den Blick. Seine Hand suchte in einem Korb der an der Wand in der obersten Ecke der Dusche angebracht war, herum, fand schließlich was er gesucht hatte. Charles musste grinsen, als er die Tube mit Gleitmittel betrachtete.
„Bestens gerüstet, was?“
„Immer. Aaron hat das Zeug überall.“ Lindsey zwinkerte. Dann trat er zu Charles, zog ihn zu einem verlangenden Kuss herunter. „Dreh dich um“, flüsterte er sanft. „Ich mach langsam. Falls du dich anders entscheidest, gib einfach bescheid.“ Charles nickte und wandte sich dann um, seine Hände stützte er an der Wand vor sich ab. „Versuch zu entspannen.“
Charles schloss die Augen, atmete ruhig. Verwirrung machte sich in ihm breit. Das alles ging viel zu schnell, er konnte seinen eigenen Handlungen und Wünschen nicht mehr folgen.
„Charles? Alles in Ordnung?“ Charles nickte knapp. „Sicher?“
„Tu einfach irgendwas“, stieß Charles drängend hervor. Er biss sich leicht auf die Lippen als er nur einen Wimpernschlag später spürte, wie Lindseys Hand zwischen seine Backen glitt. Der junge Mann nahm sich viel Zeit, beschränkte sich für den Moment nur darauf, mit einem Finger und sanft kreisenden Bewegungen den Muskelring zu massieren. Charles stöhnte auf, als Lindsey spielerisch die empfindsamen Nervenenden reizte. „Lindsey!“
Geradezu beruhigend streichelte Lindsey mit der freien Hand über seinen Rücken, seine Brust, wanderte kosend tiefer. „Ganz ruhig“, flüsterte er und verstärkte etwas den Druck seiner neckenden Massage. Charles keuchte erschrocken, als sich Lindseys Finger drängend durch den Muskelring schob, sein Körper reagierte sofort darauf, versuchte den störenden Widerstand wieder hinauszubefördern. Lindsey wartete, drängte seinen Körper gegen Charles’ erhitzte Haut.
Die Augen geschlossen ließ Charles den Kopf nach vorne fallen. „Ich will dir nicht wehtun“, flüsterte Lindsey sanft. „Beruhig dich erst mal. Versuch nicht, dagegen zu drücken.“
„Scheiße, Wie machst du das? Wie kannst du das und vor allem mehr zulassen?“, keuchte Charles verwirrt, versuchte dann aber, Lindseys Anweisungen zu folgen, zu entspannen und vor allem, seinen Körper zu überreden, dass er Lindseys Eindringen zulassen sollte.
„Soll ich aufhören?“
„Nein!“ Charles war fast schon panisch bei der Aussicht, dass Lindsey wieder aufhören könnte. Er holte tief Luft und ließ sie langsam aus seinen Lungen strömen.
„Gut so.“ Hauchzarte Küsse prasselten auf seinen Rücken, als Lindsey noch etwas tiefer in ihn drängte. Charles stöhnte leise. Ein leichtes Brennen breitete sich langsam aus, als Lindsey sich gänzlich in ihn drängte. Es war ein seltsames Gefühl, ungewohnt, etwas schmerzhaft. Aber nicht unbedingt schlecht. Wieder hielt sich Lindsey ruhig, gab ihm Zeit, sich an ihn zu gewöhnen und langsam ebbte das Brennen ab, gelang es Charles seine Muskeln etwas zu lockern. Er atmete schnell, sein Herz pochte heftig in seiner Brust. Und es fiel ihm schwer, genau zu sagen ob das an dem leichten Brennen lag oder daran, dass es ein unbeschreibliches Gefühl war.
Lindsey knabberte liebevoll an seiner Schulter. „Alles klar?“ Charles nickte. „Werd mich jetzt bewegen, versuch dich nicht wieder zu verspannen“, murmelte Lindsey sanft. Kaum hatte er die Warnung ausgesprochen, zog er sich langsam zurück, drängte erneut vor. Charles stöhnte auf. Das Brennen setzte erneut ein, aber er wollte nicht, dass Lindsey aufhörte. Der andere Mann ließ seine Bewegungen etwas schneller werden, fließender. Dann hielt er inne, tief in Charles gedrängt und der konnte fühlen, wie Lindsey leicht den Finger abbog, ihn regelrecht von innen heraus ertastete. Mit einer leichten Drehung seiner Hand änderte Lindsey sachte den Winkel und Charles hatte das Gefühl, als würden ihm die Beine gleich versagen, als der junge Mann irgendwo dort drinnen einen Punkt berührte, der ihm nahezu den Atem raubte. Lindsey küsste erneut seine Schultern, lies seine freie Hand zwischen Charles Beine wandern und massierte sanft seine Hoden, wobei er weiterhin diesen seltsamen Punkt in Charles’ Innerstem attackierte.
„Oh Gott!“ Charles keuchte, wand sich. „Fuck!“, stieß er gepresst hervor.
„Genug?“, fragte Lindsey neckend. Rasch schüttelte Charles den Kopf, wimmerte, als er fühlte dass Lindsey von ihm ablassen wollte, sich fast gänzlich aus seinem Körper zurückzog.
„Nicht!“, stieß er panisch hervor. „Mach weiter, bitte!“ Okay, er würde Betteln und Flehen, Lindsey alles versprechen, was der hören wollte. Er sollte nur nicht gehen und ihn auf halber Strecke liegen lassen. Alles nur das nicht.
Als Lindsey zurückkam, setzte das Brennen erneut ein, heftiger, intensiver und Charles keuchte erschrocken. Er fühlte sich ausgefüllt, hatte für einen kurzen Moment das Gefühl, gleich zu zerreißen. Lindsey hielt erneut inne, wartete, streichelte ihn beruhigend.
„Entschuldige“, murmelte er schuldbewusst. „Hätte dich vor dem zweiten Finger warnen sollen.“ Er wartete erneut, ehe er tiefer drängte. Charles wusste nicht wohin. Er konnte nicht mehr wirklich stehen, wollte sich am Liebsten einfach hinlegen, konnte nicht mehr denken, nur noch fühlen. Langsam ebbte der Schmerz ab, wurde ersetzt von heftigen Schauern, die Lindsey durch seinen Körper jagte, als er erneut anfing, diesen grausamen Punkt zu massieren, der Charles fast über die Klippe trieb. Die Tatsache, dass der junge Mann auch noch nachhalf, indem er seine Erregung mit geschickter Hand massierte, half auch nicht unbedingt dabei, sich zu beherrschen.
Charles konnte nicht mehr an sich halten. Seine Arme knickten weg, er sank nach vorne, biss hart die Zähne aufeinander und ergoss sich heftig zuckend. Lindsey blieb noch in ihm, verstärkte den Orgasmus damit scheinbar noch und zog sich erst sehr langsam und behutsam zurück, als Charles sich wieder einigermaßen gefangen hatte.
„Alles klar?“, fragte er sanft.
„Scheiße. Was war das?“, keuchte Charles heftig. Lindsey grinste.
„Ein Orgasmus?“, schlug er vor.
„Schon aber … fühlte sich anders an, irgendwie“, murmelte Charles verstört. Eine Hand glitt sanft über seine Wange, ehe sie auf seiner Schulter lag und ihn umdrehte. Matt lehnte sich Charles gegen die Wand in seinem Rücken.
„War gemein von mir. Ich hab gezielt deine Prostata stimuliert, damit du schneller kommst.“ Lindsey grinste. „Wir hätten das noch weitermachen können, aber zwei Finger sind für den Anfang schon genug und da wäre noch ein dritter und gezieltes Dehnen nötig gewesen. Ich wollte dich nicht überstrapazieren. Du musste heute noch im Büro sitzen.“ Lindsey grinste frech. „Außerdem ist es für die ersten Male im Liegen sicherlich angenehmer, weil man besser entspannen kann.“ Charles nickte schwach und zog Lindsey eng an sich, küsste ihn hart.
„Danke“, murmelte er. „Aber was machen wir jetzt mit dir?“
„Kalt duschen“, lachte Lindsey munter. „Mach dir keine Gedanken. Ich bin Sub von ganzem Herzen. Ich steh drauf.“ Er küsste Charles erneut.
Sie duschten rasch fertig und machten sich nur mit Handtüchern bekleidet auf den Weg zu Aaron in den Wohnraum. Um endlich zu Frühstücken.