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 Amancham: Das andere Ich - Teil 17
Geschrieben von Amancham am Samstag, 03. Mai 2008 @ 10:22:59 Uhr



Autor: Amancham
E-Mail Adresse: amancham@gmx.net
Homepage: http://fiction.intayale.de
Titel: Das andere Ich
Inhalt: Der Kampf ist vorüber, das Leben muss weitergehen, doch so leicht ist das nicht. Charles sucht den einzigen Menschen auf, mit dem er über Lindsey reden kann ... mit unerwarteten Folgen!
Spoiler: spielt nach 5.19
Altersfreigabe: ab 18 Jahren
Teil: 17/18
Disclaimer: I do not own the characters in this story, nor do I own any rights to the television show "Buffy the Vampire Slayer". They were created by Joss Whedon and belong to him, Mutant Enemy, Sandollar Television, Kuzui Enterprises, 20th Century Fox Television and the WB Television Network.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Gunn/Lindsey
Kommentar: So und hier noch der Endspurt.
Warnings: Slash, H/C, BDSM, Dark





Charles verspürte schon den unbändigen Drang, mit irgendwem über Lindsey zu reden, seit er von dessen Tod erfahren hatte. Doch er wusste nicht, an wen er sich wenden sollte. Angel fiel aus. Er hatte Lindsey nie leiden können und die Tatsache, dass er den jungen Mann umgebracht hatte, zumindest seinen Tod in Auftrag gegeben hatte, machte es Charles nur noch schwerer, dem Vampir gegenüberzutreten. Er würde vermutlich nur versuchen, ihn umzubringen, auch wenn das Lindseys Tod nicht ungeschehen machen konnte.

Spike war auch keine Hilfe. Er nahm nichts ernst und Charles hatte auch ganz gewiss keine Lust, mit dem Blonden über seine sexuellen Neigungen zu debattieren, worauf ein Gespräch zum Thema Lindsey mit Sicherheit hinaus gelaufen wäre.

Illyria fiel sowieso aus. Zum einen war sie kaum ansprechbar, seit dem Ende des Kampfes und zum anderen war sie ungefähr die letzte Person, mit der man über seine Gefühlswelt debattieren konnte.

Charles Gedanken landeten am Ende nur bei einem Namen: Aaron. Er verspürte ohnehin die unbedingte Pflicht, Lindseys Freund von dessen Tod zu unterrichten. Vielleicht konnte er mit ihm reden, endlich einen Weg finden, das Chaos in seinem Innersten zu klären, den tosenden Orkan zum Schweigen zu bringen.

Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus hatte er sich geweigert, zu Angel Investigations zurückzukehren. Zu dem, was davon noch übrig war. Es ging einfach nicht. Er konnte nicht mehr mit Angel zusammenarbeiten. Unter keinen Umständen. Derzeit wohnte er in einem kleinen Zimmer in einer Pension.

Spike war ihn noch ein oder zweimal besuchen gekommen, von Angel hatte er seit dem Kampf nichts mehr gesehen oder gehört und das war ihm auch ganz Recht. Wie hatte der Vampir so etwas Hinterhältiges tun können? Rasch schob Charles die Gedanken beiseite. Er wollte nicht darüber nachdenken. Es würde ihn nur wieder wütend machen. Schweren Herzens machte er sich schließlich auf den Weg zu Aaron.

~*~

Er hatte mehrfach angeklopft, aber die Tür blieb verschlossen. Charles seufzte und wandte sich um. Scheinbar war Aaron nicht zu Hause oder gerade beschäftigt. Dann würde er es eben später noch einmal versuchen. Er hatte bereits die ersten Stufen nach unten zurückgelegt, als er hörte, wie in seinem Rücken die Tür geöffnet wurde.

„Charles?“ Er wandte sich um und biss sich auf die Unterlippe. Wie würde Aaron wohl auf die Nachricht reagieren? Charles hatte immer den Eindruck gehabt, dass er Lindsey wirklich gemocht hatte.

„Hi Aaron.“ Er schluckte schwer. Ein dicker Kloß steckte in seinem Hals und er konnte ihn nicht hinunterwürgen.

„Heute alleine hier? Wundert mich. Komm doch rein“, meinte Aaron freundlich. „Tut mir leid, dass ich so lange gebraucht habe, ich war grad … Charles? Was ist los?“

„Es geht um Lindsey“, brachte Charles schließlich hervor. Aaron wurde blass.

„Was ist los? Rede schon!“

„Aaron … Lindsey ist … scheiße. Er ist tot.“ Am liebsten hätte sich Charles hier und jetzt auf die Stufen gesetzt. Er selbst hatte die Worte bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgesprochen, sie waren ihm noch immer nicht wirklich wahr vorgekommen. Jetzt jedoch waren sie plötzlich traurige und schockierende Realität. Aaron tat das, was Charles’ Stolz nicht zuließ. Er sank gegen die offene Tür und rutschte daran nach unten. Seine Augen starrten ausdruckslos ins Leere.

„Oh mein Gott“, flüsterte er schließlich. „Was … was ist passiert?“

„Ich weiß es nicht genau“, flüsterte Charles und ging die Stufen wieder nach oben. Er zitterte am ganzen Körper. Vielleicht war es dumm gewesen, hierher zu kommen, denn erst jetzt schien er die volle Bedeutung zu erfassen. Lindsey war tot und er würde nie wieder zurückkommen. Und Angel hatte ihn ermorden lassen. Seinetwegen und weil er Lindsey noch nie hatte leiden können. „Ich war nicht dabei. Es war ein Kampf im Auftrag der Firma, mehr oder weniger. Er kehrte nicht mehr zurück. Später wurde seine Leiche gefunden.“

Aaron rappelte sich mühsam hoch. „Komm rein. Ich … entschuldige. Aber … das ist ein Schock.“

„Es tut mir leid.“ Charles passierte Aaron und trat in das Haus. Etwas unschlüssig blieb er stehen.

„Hier entlang. Setzen wir uns. Ich … ich muss das erst verdauen.“

„Ich dachte mir, du würdest es vielleicht wissen wollen“, meinte Charles entschuldigend. „Tut mir leid, wenn ich lieber den Mund hätte halten sollen, aber ich wusste nicht … ich konnte mit niemandem über ihn reden und ich hatte gehofft … scheiße, das war egoistisch von mir.“

„Schon in Ordnung. Das muss sich erst setzen. Ich meine … tot.“ Aarons Augen glänzten feucht. Sie nahmen beide im Wohnraum Platz und wieder zog sich Schmerz durch Charles’ Körper, als er sich daran erinnerte, wie er vor gar nicht allzu langer Zeit hier gesessen hatte, Lindsey an seine Beine geschmiegt. Der Raum fühlte sich seltsam kalt an, obwohl auch heute wieder ein schwaches Feuer im Kamin loderte.

Charles zog seine Schuhe aus und kauerte sich auf dem Sofa zusammen, nachdem Aaron ihm mit einem Nicken zu verstehen gegeben hatte, dass das in Ordnung war. „Was genau ist denn passiert? Ich meine … fuck. Wie kann das sein?“ Charles schluckte schwer.

„Wenn ich das … ich meine, wie gesagt, ich war nicht dort … aber soweit ich weiß …“ Charles seufzte, schloss die Augen und ließ den Kopf gegen die Lehne des Sofas sacken. „Er ist ermordet worden Aaron. Und es war meine Schuld“, flüsterte er langsam.

„Was? Warum deine Schuld?“

„Ich war unvorsichtig. Angel kam dahinter, dass wir … Er hat einen anderen Grund genannt, aber Tatsache ist, er hat Lindsey umbringen lassen, weil er und ich …“

„Nein“, unterbrach Aaron barsch. „Sag das nicht. Denke es nicht einmal.“ Er setzte sich neben Charles auf das Sofa und sah ihn aufmerksam an. „Ich weiß nicht alles, was in Lindseys Leben vorging, aber ich weiß, dass Angel nie gut auf ihn zu sprechen war und dass Lindsey ihm nie vertraut hat“, meinte er sanft. „Selbst wenn der hinter eure Beziehung gekommen ist, ist das kein Grund, einen Menschen zu töten. Vermutlich hatte er in jedem Fall vor, Lindsey zu töten, egal ob ihr zusammen gewesen wärt oder nicht.“

„Da bin ich mir nicht so sicher. Ich bin mir mit gar nichts mehr sicher.“ Stille legte sich schwer über sie, drückend, allumfassend. Beide hingen ihren Gedanken nach. Charles versuchte wirklich, die Schuldgefühle zu ignorieren, aber es gelang ihm nicht. Er fühlte sich schuldig. Er war sich sicher, dass es seine Schuld war. Immerhin hatte Lindsey zugestimmt, ihnen zu helfen. Vielleicht sogar, um ihn zu unterstützen. Wer vermochte das schon zu sagen. Überrascht stellte er fest, dass Aaron Tränen in den Augen hatte. Er selbst hatte bis heute keine einzige Träne vergossen. Innerlich, ja, da hatte ihn der Verlust zerrissen. Doch nichts von dem Schmerz drang nach außen, tobte nur weiter durch seinen Körper, verbrannte, verzehrte ihn innerlich. Er wollte weinen. Er wollte es wirklich. Befreiende Tränen, endlich dem Ausdruck verleihen, was in ihm vorging, doch er konnte es nicht.

„Oh Gott, meine Manieren. Kann ich dir etwas anbieten, Charles?“, erkundigte sich Aaron plötzlich mit rauer Stimme und wischte die Tränen von seinem Gesicht.

„Schmerz“, flüsterte Charles, noch ehe ihm klar wurde, was er sagte.

„Was?“

„Bitte.“ Charles schluckte, zitterte leicht. „Egal was du sagst, egal wie sehr du betonst, dass Lindsey nicht meinetwegen gestorben ist. Ich weiß, dass ich nicht unbeteiligt war und das zerfrisst mich innerlich. Seit Wochen versuche ich damit klar zu kommen, aber ich kann es nicht. Das macht mich fertig. Irgendwie muss ich davon loskommen. Bitte.“

„Okay. Hab ich das richtig verstanden? Ich soll dich verprügeln und auspeitschen, weil du dir Vorwürfe wegen Lindseys Tod machst?“

„So in etwa.“

„Bist du nur deswegen hier?“ Aaron wirkte wütend. Charles schüttelte den Kopf.

„Nein. Ich bin hier, weil ich dachte, du würdest es wissen wollen. Weil ich das Gefühl hatte, es dir und Lindsey schuldig zu sein. Es ist nur … ich kann nicht mehr, Aaron. Ich breche unter der Last meiner eigenen Schuld zusammen. Hilf mir, bitte.“

„Es geht dir nicht um sexuelle Befriedigung oder die Rolle eines Sub, habe ich Recht? Du willst, dass ich dich bestrafe, damit du dich besser fühlen kannst.“ Charles biss sich auf die Unterlippe.

„Ich weiß nicht, ob ich es kann … ich weiß nicht, ob ich damit je klar kommen werde. Er ist schon der zweite Mensch, den ich geliebt und viel zu früh verloren habe, durch meine eigene Schuld, den ich auf dem Gewissen habe.“

„Schuldgefühle können wirklich schlimm sein.“ Aaron seufzte. „Glaubst du wirklich, das würde dir helfen? Schmerz? Leid?“

„Schmerz und Leid von Außen um den Schmerz im Inneren zu bekämpfen. Ich hoffe darauf, dass es hilft.“ Charles’ Stimme war leise. Aaron stand auf und bot ihm seine Hand dar.

„Auf deine Verantwortung. Und wenn es nicht wirkt, mach mich nicht dafür verantwortlich, wenn dir alles weh tut“, knurrte er missmutig. „Normalerweise würde ich mich auf so etwas nicht einlassen.“

„Danke.“ Zu mehr als einem dankbaren Flüstern war Charles nicht fähig. Aaron führte ihn in den Dungeon und die schwere, dunkle Tür fiel hinter ihnen ins Schloss.

~*~

„Charles! Lass los. Das war’s“ Nur langsam drang die Stimme in Charles’ Bewusstsein. Er versuchte die Augen zu öffnen, doch sein Körper wollte nicht gehorchen. „Charles. Lass los.“ Eine Hand, die seine fest umklammert hielt, versuchte, seine Finger zu öffnen. Nur langsam gelang es Charles, die Finger zu entspannen und die kleine Kugel, die ihm tröstenden Halt gegeben hatte, wurde aus seiner Hand genommen.

Gleich darauf spürte er leichten Zug an dem Ballknebel und gestattete sich, den Kiefer zu entspannen. Behutsam wurde der runde Gegenstand zwischen seinen Zähnen herausgelöst. Charles hatte das Gefühl, im Feuer der Hölle zu schmoren. Keine Stelle auf seiner Haut, die nicht brannte. Kein Muskel, der nicht schmerzte.

Ketten rasselten, als ihm die schweren Fesseln abgenommen wurden, warme, gegen seine brennende Haut jedoch geradezu kühlende Hände drehten ihn sanft auf die Seite, strichen beruhigen über seinen Körper, gleich darauf von einem kühlenden Lappen ersetzt, der Blut und Schweiß unendlich sanft und liebevoll von seinem Körper wusch.

„Dummer Junge“, knurrte Aaron missmutig. „Hatte gesagt, dass es keine gute Idee ist.“ Doch Charles lächelte. Ja. Sein Körper schmerzte und das würde er noch für ein paar Tage. Doch er fühlte sich seltsam ruhig, beruhigt. Er hatte irgendwann sämtliche Hemmungen verloren, als Aaron die Peitsche unzählige Male auf seinen Rücken hatte prallen lassen. Der körperliche Schmerz, von außen zugefügt, hatte endlich geschafft, was dem verzehrenden Schmerz in seinem Innersten nicht gelungen war. Er hatte sich den Tränen hingegeben, die all die Schuldgefühle und einen großen Teil des Schmerzes aus seinem Körper gespült hatten. Was geblieben war, war dumpf pochende Leere. Doch das war besser als die Wochen zuvor.

„Schlaf jetzt“, klang irgendwann Aarons Stimme zu ihm durch. „Ruh dich aus.“ Charles nickte schwach. Zumindest war er sich sicher, dass er dieses Mal wirklich würde schlafen können. Wenigstens für ein paar Stunden.

~*~

Charles schlug die Augen auf und stöhnte verhalten. Er wagte es nicht, sich zu bewegen. Sein Körper schmerzte noch immer, doch das war nebensächlich. Träge schloss er die Augen wieder. Da war immer noch der Schmerz, den Lindseys Verlust hinterlassen hatte, doch es war etwas erträglicher geworden. Auch jetzt noch nagten Schuldgefühle tief in ihm, doch sie fraßen ihn nicht mehr auf.

Langsam und vorsichtig richtete er sich doch auf. Jede Bewegung jagte neuen Schmerz durch seinen Körper, doch das war ein geringer Preis dafür, dass er nicht länger das Gefühl hatte, mit einem einzigen Aufschrei in tausend Stücke zerspringen zu müssen.

Ein seltsames Ziehen an seinem Rücken veranlasste ihn dazu, vorsichtig einen Blick über seine Schulter zu werfen. Er erhaschte weiße Bandagen, die von seiner dunklen Haut abstachen. Aaron hatte ihn gewissenhaft versorgt. Dankbarkeit strömte durch seinen Körper. Langsam stand Charles auf. Seine Kleidung war verschwunden, also verließ er den Raum so wie er war. Nackt.

Dröhnende Stille schlug ihm entgegen. Er konnte Aaron nicht entdecken. Zumindest nicht im Wohnraum oder der Küche, und auch aus dem Badezimmer vernahm er kein Geräusch. Erneut ging er zurück in den Wohnraum und sah sich nachdenklich um. Die schweren Vorhänge hielten den Blick von Fremden draußen, deshalb konnte er sich hier frei bewegen, obwohl es ihm eigentlich hätte peinlich sein müssen. Nach einigem Überlegen beschloss er, das Feuer erneut zu schüren. Es war etwas kühl, im Adamskostüm. Obwohl der Raum eigentlich angenehm temperiert war.

Kurz darauf nahm er am Boden beim Kamin Platz und starrte nachdenklich in die Flammen. Immer wieder hob er den Blick, sah aus dem Fenster. Die Welt dort draußen wirkte so kalt. Er wusste nicht wohin und was tun. Zurück auf die Straße zu seiner alten Gang war einfach nicht mehr drin. Annie hätte sich gewiss gefreut, wenn er ihr wieder geholfen hätte, doch er war nicht bereit für die Welt dort draußen. Noch nicht. Er fühlte sich seltsam leer, verloren, einsam. Die letzten Wochen über war dieses Gefühl immer stärker geworden, hatte Überhand genommen.

Hier, bei Aaron fühlte er sich jedoch seltsam geborgen und sicher. Ein Gedanke kroch langsam aber unaufhaltsam in sein Gehirn, manifestierte sich dort, setzte sich fest. Er wollte zu gerne hier bleiben. Nur für eine Weile, bis er sich gefangen hatte und sich einen Plan zurecht gelegt hatte, was er mit seinem Leben jetzt anfangen wollte. Nur ein wenig. Doch er wusste nicht, ob Aaron es zulassen würde.

Erneut stand er auf, streifte nachdenklich durchs Haus. Er endete in dem Raum mit den diversen Fesseln. Sein Blick fiel auf die dunkelbraunen Ledermanschetten, die Lindsey damals getragen hatte. Liebevoll strich seine Hand über das recht weiche Material. Ein Stückchen Lindsey, nur für einen Moment konnte er ihn vor sich sehen, mit leuchtenden, dankbaren Augen, nichts als das Halsband und die ledernen Fesseln am Körper tragend und dabei so vollkommen.

Ohne weiter darüber nachzudenken, legte sich Charles die Manschetten um, ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Was würde Lindsey wohl sagen, wenn er die Sachen trug? Bestimmt wäre er nicht begeistert. Schließlich war es Charles’ dominante Seite gewesen, die ihn interessiert hatte. Mit einem seltsamen Gefühl von Geborgenheit ging er zurück in den Wohnraum und wartete. Wo auch immer Aaron gerade war, früher oder später würde er sicherlich hier auftauchen.

Tatsächlich dauerte es nicht lange, bis der andere Mann den Raum betrat. Charles stand rasch auf und ging zu ihm. Aaron beobachtete ihn mit offenem Mund, berührte ungläubig das Leder. „Was …“, murmelte er irritiert.

„Lass mich hier bleiben. Bitte“, bat Charles aufrichtig. „Ich fühle mich wohl, in deiner Nähe. Du bist der einzige, der mich wirklich kennt und mit dem ich über alles reden kann. Ich habe kein zu Hause, keinen Platz, wo ich hingehöre. Bitte. Kann ich nur ein Weilchen hier bleiben? Nur bis ich weiß, was ich mit meinem Leben anfangen will. Es hat sich so vieles geändert und …“

„Charles“, unterbrach ihn Aaron ruhig. Charles schloss den Mund, sah Aaron fragend an. „Was meinst du damit? Hier bleiben? Als mein Sub?“

„Wenn das der einzige Weg ist: Ja.“ Aaron lächelte, strich sanft über seine Wange.

„Ach was. Du kannst gerne bleiben, so lange du willst. Das Haus ist groß genug für zwei. Aber nicht als mein Sub, Charles. Das ist nicht deine Welt. Ich will nicht, dass du versuchst, etwas zu sein, was du nicht willst. Das gestern war eine Ausnahme und wir werden es sicherlich nicht wiederholen. Du findest keinen Gefallen am Schmerz.“

„Nicht wirklich. Nein“, gab Charles leise zu.

„Eben. Lindsey hatte schon Recht. Du bist Dom. Das wird sich nie ändern.“ Er zwinkerte. „Aber die Dinger stehen dir. Kannst sie gerne tragen, wenn sie dir angenehm sind.“ Seine Stimme wurde leiser. „Ich hätte sie eh aussortiert. Sie gehörten Lindsey. Sie an jemand anderem zu sehen wäre zu schmerzhaft. Bei dir ist es etwas anderes.“ Er zuckte leicht die Schultern. Dann legte er die Hände auf Charles Schultern und bedeutete ihm, sich umzudrehen. „Wie fühlst du dich heute?“, erkundigte er sich und betastete sanft ein paar der Striemen.

„Geht schon. Muss nur ein bisschen aufpassen.“

„Hat es wenigstens geholfen?“ Charles nickte schwach.

„Ein wenig.“

„Gut.“ Aaron ließ wieder von ihm ab. „Deine Sachen liegen im Bad. Wenn du willst können wir deinen Kram aus deiner Wohnung holen, zumindest ein paar Dinge. Wie gesagt, du kannst als Freund hier bleiben und in diesem Haus leben, so lange du möchtest.“ Charles nickte dankbar.

~*~

Draußen hörte er das Stottern eines Motors und wusste sofort, dass Aaron zurück war. Charles lächelte. Das Auto des älteren Mannes war unverkennbar. Es waren über drei Wochen vergangen. Die meisten Schrammen an seinem Rücken waren bereits abgeheilt, die restlichen würden auch in den nächsten paar Tagen verschwinden. Er saß nur in einer leichten Hose bekleidet im Wohnraum und las in einem Buch. Ein sehr interessantes Manuskript über die Thematik BDSM und das Ansehen in der Gesellschaft.

Er legte das Buch beiseite und stand auf, öffnete die Tür um Aaron zu begrüßen und ihm möglicherweise dabei zu helfen, die Einkäufe herein zu tragen. Lächelnd drückte ihm der andere eine Tüte in die Hand und ging zurück zum Auto um den Rest zu holen. Sie hatten sich gut eingespielt und Charles fühlte sich hier wirklich wohl. Auch die Tatsache, dass Aaron des öfteren Besuch von seltsamen Leuten erhielt, störte ihn nicht. Mochten die noch so abartig gekleidet sein. Hin und wieder wohnte er der ein oder anderen Session bei. Manche von Aarons Besuchern fanden es geradezu erregend, wenn jemand zusah. Andere waren nicht so begeistert und er blieb im Wohnraum oder zog sich in Aarons Gästezimmer zurück, das längst sein Zimmer geworden war.

Auch wenn er es grundsätzlich nicht abstoßend fand, was in dem Dungeon passierte und sich noch mit so einigen Praktiken vertraut machen konnte, die er bisher noch nicht gekannt hatte, war es nie so wie damals mit Lindsey. Er verspürte nie das Verlangen, mitzumischen, hatte nie den Drang, selbst aktiv zu werden.

„Hey Charles. Ich werde nachher noch mal wegfahren. Ich …“ Aaron verstummte, senkte den Blick. „Ich will zu Lindseys Grab“, murmelte er fast verlegen. „Willst du mitkommen?“ Charles biss sich auf die Unterlippe, schüttelte rasch den Kopf.

„Nein. Nein. Ich kann nicht. Noch nicht. Gib mir noch etwas Zeit. Der Gedanke … nein, es geht echt nicht.“

„Hey, ganz ruhig. Es war nur ein Vorschlag. Du kannst auch hier bleiben, wenn dir dabei wohler ist. Obwohl ich mich freuen würde und ich denke, auch Lindsey …“

„Nächstes Mal. Versprochen. Aber nicht heute. Ich kann einfach nicht.“ Aaron betrachtete ihn aufmerksam, lächelte sanft.

„Angst vor den Tränen? Du weißt, dass ich der Letzte bin, der dich deswegen auslacht.“

„Das ist es nicht.“ Charles schüttelte den Kopf. „Aber an seinem Grab zu stehen … das macht die Sache so endgültig, verstehst du? So … wahr.“

„Schon okay.“ Liebevoll strich er Charles über die Wange. „Wann immer du soweit bist.“ Charles nickte dankbar.

~*~

Nach dem gemeinsamen Abendessen war Aaron gefahren. Es war Dienstag. Sein freier Abend. Keine Sessions, keine Besucher. Seit Charles bei Aaron eingezogen war, hatte der sich auch die Donnerstagabende frei genommen. Um Charles nicht zu überfordern, wie er gesagt hatte.

Charles genoss die ruhigen Abende. Sessions waren interessant, prickeln und hin und wieder kam es vor, dass auch er ein wenig auf seine Kosten kam. Er hatte längst keine Hemmungen mehr, sich von anderen Männern berühren zu lassen und wenn Aaron den Sub-Part übernahm, kam es durchaus vor, dass Charles wieder in den Genuss eines atemberaubenden Blowjobs kam und auch Jeffrey, ebenfalls ein guter bekannter von Aaron hatte er einmal rangelassen und es sicherlich nicht bereut. Bei ihm hatte Charles auch mal wieder selbst zur Peitsche gegriffen. Jeffrey hatte explizit um eine ausgedehnte Session gebeten, wollte unbedingt ausprobieren, mit zwei dominanten Partnern zu spielen. Es war gut gewesen. Doch er war nicht Lindsey.

Es würde bald dunkel werden und Charles war aus ihm unerfindlichen Gründen müde. Normalerweise verbrachten er und Aaron die Dienstagabende zusammen, redeten. Aaron hatte einen Fernseher, doch den benutzten sie sehr selten. Heute jedoch schaltete er den Kasten an und ließ sich berieseln. Es dauerte nicht lange, da schlief Charles vor dem laufenden Fernseher ein. Seltsame Träume suchten ihn heim und sorgten dafür, dass sein Schlaf unruhig war. Lindsey tauchte auf. Seine leuchtenden, blauen Augen starrten ihn beinahe vorwurfsvoll an.

Dann jedoch veränderte sich der Traum. Pferde, eine Koppel. Lindsey auf dem Rücken eines schwarzen Rappen. Musik drang an sein Ohr, das Lied, das Lindsey damals im Caritas gespielt hatte. Der Geruch von Whiskey, Freiheit und Sonne. Er sah einen schäbigen, verbeulten Pick Up, der in den Sonnenuntergang fuhr. Er hörte Lindseys Stimme. Sanft und leise. So vertraut. Charles lächelte.

„Willst du ewig schlafen?“, wiederholte Lindsey lachend. Charles riss die Augen auf und starrte verwirrt in strahlend blaue Augen.

Nur ein Traum. Ich träume noch. Ich will nicht aufwachen. Wenn ich aufwache, ist er weg. Dann werde ich ihn nie wieder sehen. Er ist nicht hier.

„Kein Traum“, flüsterte Lindsey, beugte sich über ihn und küsste ihn sanft. Es war Lindsey. Jedes Necken seiner geschmeidigen Zunge, das Knabbern seiner Zähne, ein leichter Hauch von Whiskey in seinem Mund. Es war Lindsey und doch war es nicht möglich. Charles schob ihn fast schon panisch von sich, als er sich an Lilah erinnerte, die ihnen ein Angebot unterbreitet hatte, obwohl sie längst tot war.

„Nein.“ Stieß er hervor. „Du … du bist tot. Du kannst nicht hier sein. Du wurdest längst beerdigt. Du bist tot.“ Panik überkam ihn. Doch dann fiel sein Blick auf Aaron, der verträumt lächelnd in der Tür lehnte und sie beobachtete. Fast schon ängstlich streckte Charles die Hand aus, legte sie gegen Lindseys Brust. Kraftvoller Herzschlag ließ ihn erzittern. „Wie … wie ist das möglich?“, stammelte er verwirrt. Lindseys Hand lag auf seiner Hand, hielt sie an Ort und Stelle. Schmerzerfüllte, blaue Augen sahen ihn aufmerksam an.

„Es tut mir so leid, Charles. Ich wollte schon viel früher zu dir, aber ich konnte nicht. Als du noch im Krankenhaus warst, war ständig einer von den anderen in der Nähe und dann warst du plötzlich verschwunden. Ich bin stundenlang am Friedhof gewesen, habe gewartet, gehofft, dass du vielleicht kommen würdest, aber du bist nicht gekommen und ich ...“

„Ich … ich konnte nicht. Ich wollte … dein Grab … aber …“

„Hey. Es hat seine Vorteile, dass ich früher mit den bösen Jungs gespielt habe.“ Lindsey lächelte sanft. „Was Lorne erschossen hat und was später in den Sarg gelegt wurde, war nur ein Abbild von mir. Eine Puppe, der Leben eingehaucht wurde. War nicht ganz leicht, weil ich den Kampf noch selbst bestehen musste und ich nicht wusste, wann sich Lorne gegen mich wenden würde, aber … Gott, ich hatte solche Angst um dich“, flüsterte Lindsey sanft.

„Du lebst wirklich?“ Lindsey lächelte, nickte bestätigend. Seine Augen glänzten feucht.

„Es tut mir so leid. Ich wollte dich nicht so lange zappeln lassen.“

„Vergiss es“, stieß Charles hervor und stürzte sich regelrecht auf den anderen Mann. Sie küssten einander heftig, Tränen der Freude benetzten ihre Wangen und es fiel ihnen schwer, sich voneinander zu lösen. Erst als Aaron sich ebenfalls auf die Couch setzte und Lindsey plötzlich auf seinen Schoß zog, wurde ihnen bewusst, dass sie nicht alleine waren.

„So, Kleiner. Was hast du jetzt vor?“

„Abhauen.“ Lindsey seufzte, schmiegte sich an den größeren Mann. „Ich kann nicht in L.A. bleiben. Viel zu gefährlich. Wenn ich wieder auf Angels Radar auftauche, wird er es sich endgültig zur Lebensaufgabe machen, mich umzubringen.“ Charles hockte sich neben Aaron und Lindsey, verschränkte seine Finger mit Lindseys, lehnte sich an Aaron.

„Ha! Angel!“ Charles knurrte missmutig. „Wir sollten gehen und den Mistkerl pfählen.“

„Sollten wir vielleicht, aber lassen wir das. Ich will nicht riskieren, dass er am Ende dahinter kommt, dass ich noch lebe. Ich werde heute noch die Stadt verlassen. Hab nur noch so lange gezögert, weil ich wissen wollte, was aus dir geworden ist.“ Er lächelte Charles zärtlich an. „Aber jetzt wo ich weiß, dass du in guten Händen bist …“

„Stadt verlassen, huh? Und du meinst allen ernstes ich lass dich jetzt so einfach abhauen? Ganz alleine? Nichts da.“ Lindseys Augen leuchteten.

„Ich hatte gehofft, dass du mitkommst, aber ich wusste nicht …“ Charles nickte. Aaron ließ Lindsey los, der Charles nach seiner Antwort sofort noch einmal küsste. „Das heißt, du kommst mit?“, fragte er fast schon fiebrig.

„Hier hält mich nichts – nichts gegen dich, Aaron – aber wenn ich Angel noch einmal über den Weg laufe, werde ich sicherlich mit einem Pflock auf ihn losgehen. Die Aussicht bei dir zu sein ist da doch weit besser.“ Charles zwinkerte. Aaron fasste seine Aussage scheinbar auch mit Humor auf.

Charles betrachtete Aaron nachdenklich, während sich Lindsey wieder auf seinen Schoß hockte. „Wie kommt es eigentlich, ich meine … Wusstest du davon?“

„Nein.“ Aaron schüttelte rasch den Kopf. „Ich bin auf den Friedhof gefahren, stand gerade Lindseys Grab und da stand er vor mir. Lebendig und in Farbe. Ich glaub, ich hab dich minutenlang nur angestarrt, oder?“, wandte er sich an Lindsey.

„Mindestens. Wie einen Geist.“ Lindsey schmunzelte und legte die Arme um Aarons Hals. „So geschockt. Mein armer, kleiner Aaron.“

„Klein?“ Aaron runzelte die Stirn und Lindsey grinste breit.

„Hat nicht minder geschockt reagiert als du gerade.“ Lindsey wandte das Gesicht wieder in Charles Richtung, löste einen Arm von Aaron, um Charles sanft über die Wange zu streichen. „Tut mir wirklich leid“, murmelte er betreten. „Wie gesagt: Ich hab viel Zeit am Friedhof oder in unmittelbarer Nähe davon verbracht, in der Hoffnung, dass du auftauchen würdest.“

„Ich konnte es nicht.“ Charles senkte beschämt den Blick. „An deinem Grab zu stehen hätte es für mich endgültig gemacht.“

„Schon okay. Ich kann es ungefähr nachvollziehen, denke ich. Außerdem war ja Aaron da.“ Lindsey lächelte, schmiegte sich wieder an Aaron.

„Jetzt werd ich ja gleich eifersüchtig“, scherzte Charles, woraufhin Aaron einen Arm um ihn legte und ihn enger an sich zog.

„Auch mich musst du nicht eifersüchtig sein, Junge. Ganz was anderes hier als bei euch beiden.“ Er wuschelte Lindsey durch die Haare, lächelte zufrieden. „Bin nur froh, dass du uns nur gefoppt hast. Blöder Scherz, übrigens. Aber zu euren Plänen: Wann wollt ihr los?“

„Am Besten möglichst bald.“ Lindsey seufzte. „Ich hab mich schon viel zu lange hier in der Stadt aufgehalten. Jeder Tag ist ein Risiko. Ich meine, wenn es dir nichts ausmacht, Charles …“

„Nein, wann immer du los willst.“

„Dann sollten wir mal packen. Schade. Aber kann ich verstehen.“ Aaron schob Lindsey sanft von sich. „Soll ich dir dabei helfen, Charles?“



Ich sag nix. Außer: Danke für's Lesen ;)

@Bronx: Aww! So süß von dir, hon. Du hast ja voll hinterher-kommentiert!!! *knuddelz* Danke!
Freut mich, dass du Kap 13 heiß fandest und dass es dir gefallen hat. Aber die grauen Haare hab ich schon :p
Die Versuchung, die beiden in ihrer lustvollen Seifenblase zu lassen war verdammt groß ... aber nicht Sinn und Zweck der Story *lol* Nächstes Mal vielleicht ;)
Das mit dem Sex in der Zelle hatte ich von Anfang an vor ... musste die beiden nur erst dahin bekommen. *g* Freut mich aber sehr, dass es dir gefallen hat *knuff*
Ich glaube, der Grund für Linds Tod ist grad so gut wie jeder andere: Absolut gar nicht. Aber ist mal ein anderer Ansatz ;) Wer hat denn Angel's Spruch von wegen man könne ihm eh nicht trauen je geglaubt, huh? *lol* Danke für die vielen Lieben Kommentare!!!

@DrusillaCallsIn: *grins* Ich schreibe nicht um. Ich schreibe in Canon. Aber der Canon ist ja jetzt vorbei *grin* und ich hoffe, meine "Lösung" hat dir gefallen, dich versöhnt und klingt plausibel ^^ Und das Fünkchen Hoffnung konnte ich ja dann nicht sterben lassen *lol*
Vielen Lieben Dank auch dieses mal wieder für deinen Kommentar!

@Ladyofdarkness: Wow, das ist ja mal ein langer Kommentar und ich freue mich sehr, dass du dich durch die Story gequält hast (was du am Anfang scheinbar ja wirklich hast) und bis dahin durchgehalten hast! Ich hoffe ehrlich, das Ende gefällt dir. Freut mich natürlich ungemein, dass du die ganze Sache mittlerweile "wow" findest. *dops dops dops* Ich hab mir auch ehrlich Mühe damit gegeben, von den Recherchen mal ganz zu schweigen *lol*
Ich halte mich schwer an so extreme Vorgaben aus der Serie... aber ganz offensichtlich nehme ich mir alle Freiheiten, sobald die Serie endet ;) Will gar ned nachzählen, wie oft ich Linds schon wieder ins Leben zurück geholt habe. *lol*
Ich hoffe, das Kapitelchen hier konnte dich versöhnen ;)

 


 
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Re: Amancham: Das andere Ich - Teil 17 (Punkte: 1)
von AngelSlayer auf Dienstag, 07. Oktober 2008 @ 23:54:08 Uhr
(Userinfo | Artikel schicken)



Hui!

damit hatte ich nicht gerechnet. Fand ich super schön dass Gunn zu Aaron ist um ihm das mit Linds zu sagen und sich dann auspeitschen lassen.. abartiger kleiner Kerl!
Hab gar nicht gewusst dass sowas n ihm steckt *lol*
Udn wie Aaron ihn aufgenommen hat..so sweet!!

Oh hab ich schonmal erwähnt dass ich Dich liebe *knuddelz*
Du hast tatsächlich Linds zurückgeholt-quasi!
Oh wie ist das denn schön!!
Ich hoffe das ändert sich nicht im letzten Teil *mal ernsthaft drohend rüber schiele*

Und nochmal bis gleich!

LG Dani







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