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 Red-Sydney: Das Dunkle Reich - Teil 31
Geschrieben von Red-Sydney am Montag, 26. Juli 2010 @ 22:09:48 Uhr



Autor: Red-Sydney
Titel: Das Dunkle Reich
Inhalt: Vor zwanzig Jahren gelang es Snape zusammen mit Remus’ Hilfe, die Potters vor Voldemort zu retten und in Sicherheit zu bringen. Doch die Rettungsaktion hatte fatale Folgen: Obwohl der Dunkle Lord weiterhin die Erfüllung der Prophezeiung fürchtete, schaffte Er es, Seine Herrschaft auszubauen und die Welt ins Chaos zu stürzen. Fünfzehn Jahre später zerstörte Albus Dumbledore gemeinsam mit Harry den letzten Horkrux, wurde dabei jedoch getötet. Als Snape, der immer noch seinen Herrn für Dumbledores Widerstandsgruppe ausspionierte, Voldemort daraufhin ermordete, nahm Lucius Malfoy den Platz des Dunklen Lords ein. Trotz des Misstrauens anderer Todesser setzte er Snape als einen seiner Berater ein. Dieser nutzt seither seine neue Stellung, um die verbliebenen Mitglieder des Ordens des Phönix zu schützen. Bis ein unvorhergesehenes Ereignis alles über den Haufen wirft, als der Kronregent Draco Malfoy zum ersten Mal auf die Widerstandskämpferin Hermine Granger trifft...
Altersfreigabe: ab 18 Jahren
Teil: 31/?
Disclaimer: Alle in dieser Story verwendeten Charaktere und Grundkonzepte sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Sie werden einzig und allein zu Unterhaltungszwecken genutzt. Eine Copyright-Verletzung ist weder beabsichtigt noch impliziert.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Hermine/Draco, Lucius/Narzissa, Severus Snape, Remus Lupin



 

 

Dreißigstes Zwischenkapitel

 

Nachdem Ron mich zu Recht dazu gedrängt hat, werde ich jetzt auch mal wieder was von mir geben. Anfangs fiel es mit zwar schwer, ein passendes Thema zu finden. Doch jetzt ist mir endlich was eingefallen: Der Regentenpalast.
Er wurde von 1990 bis 1995 errichtet. Böse Stimmen behaupten, das hätte trotz Magieeinsatz so lange gedauert, da das ausgeklügelte Kerkersystem und die vielen Geheimgänge niemandem außer Ihm und Seinen Todessern bekannt sein durfte. Und daher hätte man ständig die Arbeiter und Architekten umbringen und ersetzen müssen, um zu verhindern, dass ein Gesamtplan in falsche Hände geriet.
Ich würde nicht so weit gehen und das behaupten. Immerhin ist ein gezieltes Obliviate viel materialschonender.

 

Okay, das war mein einziger Anflug von schwarzem Humor. Sonst verhindern Fred und George, dass ich jemals wieder irgendetwas schreiben darf. Und ihre Methoden sind echt fies. Ich habe noch Narben am Hintern von den Eiterbeulen, die ihr mit einem ihrer Scherzpulver versetztes Chili verursacht hat.

 

Am besten kehre ich jetzt zum eigentlichen Thema zurück. Der Bau des Regentenpalastes war ein riesiges Projekt. Er sollte das gewaltigste Gebäude ganz Londons werden. Das war Seine Hauptvorgabe. Größer und bemerkenswerter als der Buckingham Palace. Ein Labyrinth aus tausenden Gängen, dessen System allein Er und einige Auserwählte durchschauten. Und zugleich ein uneinnehmbares Schloss, das Seine Feinde einschüchterte und davon abhielt, jemals einen Gedanken daran zu verschwenden, es zu erstürmen.
Man muss sagen, dass das Ergebnis auch ziemlich imposant geworden ist. Nur konnte Voldemort es nicht lange genießen. Kurz nach der amtlichen, pompösen Einweihung wurde Er nämlich ermordet.
Das nutzte natürlich denjenigen kaum etwas, die bis zu diesem Zeitpunkt bereits in den Kerkern unterhalb des Palastes gestorben waren. Denn obwohl die Reichsgeschäfte offiziell erst ab diesem Tag vor fünf Jahren in das Gebäude verlegt wurden, hatten Er und Seine Todesser die schon bestehenden Räumlichkeiten nicht ungenutzt gelassen. Die Einweihung der Folterkammern wurde um Jahre vorgezogen, kaum dass sie fertig gestellt worden waren. Und meine Eltern und ihre Freunde waren unter den ersten Gefangenen.

 

Ich erinnere mich noch gut an den archaischen Stil, in welchem Er Seinen Palast eingerichtet hatte. Davon ist heute nichts mehr zu spüren. Unter Lucius Malfoys Herrschaft verwandelte sich der Alptraum aus gruselig aussehenden, schwarzmagischen Gegenständen in ein funktionales Etwas, das kaum mehr die Persönlichkeit seines Besitzers widerspiegelt. Man könnte sogar denken, die oberirdischen Bereiche des Bauwerks dienten nur als Büroräume wie in jeder anderen Firma auch.
Aber das würde den gesamten Komplex viel zu sehr verharmlosen. Denn hier werden keine demokratischen Tagungen durchgeführt, die in der Hierarchie am höchsten Gestellten streiten sich nicht über die Firmenpolitik. Der Regentenpalast ist Hauptsitz jeder für das Reich wichtigen Institution: Derjenige der Polizei, des Geheimdienstes, des Militärs, des Hohen Rats und natürlich der des Princeps.
Das hat den Vorteil, dass man das Reich erheblich schwächen könnte, wenn man den gesamten Palast auf einen Schlag zerstören könnte. Doch bisher ist jeder Versuch in dieser Richtung kläglich gescheitert. Und solange wir nichts über die vielen Geheimgänge herausfinden, die in das Gebäude hinein- und hinausführen, werden wir in dieser Hinsicht vermutlich nicht erfolgreich sein.

 

Harry Potter

 

Kapitel 31: Höhepunkte

Goldene Lichtpunkte tanzten durch das Zimmer. Verirrte Sonnenstrahlen, die es geschafft hatten, sich durch die wenigen Ritzen zwischen den dunklen Vorhängen und der Wand ins Innere des Hauses zu stehlen.
Gelangweilt betrachtete Draco das Farbenspiel an der Decke, während er mit hinter dem Kopf verschränkten Händen rücklings auf dem Bett lag. Verzweifelt versuchte er, sich abzulenken und nicht mehr an Hermine zu denken. Doch bisher waren all seine Ideen erfolglos gewesen. Nichts half gegen die brennenden Fragen, wo sie nun steckte und ob es ihr gut ging.
Immer wieder hatte er sich ermahnt, sie endlich zu vergessen und die Zeit mit ihr abzuschreiben. Selbst wenn sie irgendwie wieder zusammenfinden könnten, war die Gefahr zu groß, dass er damit seinen Vater erneut auf sie aufmerksam machte. Und dann würde auch Lucius bestimmt herauskriegen, was sein Sohn bereits wusste.

Plötzlich bemerkte er seine Mutter, die abwartend im Türrahmen stand. In den letzten Wochen hatte er sie immer nur für ein paar Augenblicke gesehen, flüchtige Momente, an die er sich kaum erinnerte. Hermine war stets wichtiger gewesen. Und seitdem die Frau, die Narzissa nie gemocht hatte, obwohl sie sie gar nicht kannte, verschwunden war… Nun, seitdem ging er seiner Mutter aus dem Weg.
Er wollte nicht, dass sie ihn nach dem Mädchen fragte, von dem er sooft geträumt hatte. Und besonders wollte er nicht, dass sie ihm sagte, wie sehr sie im Bezug auf seine ominöse Freundin Recht behalten hatte. Denn das entsprach trotz allem nicht der Wahrheit.
Betont gleichmütig setzte er sich auf. „Ist irgendetwas passiert?“
Sie seufzte tief und sofort ahnte er, dass sie sich eine bestimmte Reaktion erhofft hatte. Vermutlich erwartete sie von ihm, eine gewisse Sache zu tun. Und schon klärte sie ihn auf. „Wie lange willst du diese Entscheidung noch vor dir herschieben? Er könnte dich auch dazu zwingen, aber er tut es nicht. Er glaubt, du müsstest dazu bereit sein, sonst könne er dir diese Aufgabe nicht übertragen.“

Zuerst begriff er nicht, von was sie sprach. Dann ging ihm ein Licht auf.
Seit sein Vater Princeps geworden war, galt Draco als Kronregent, der legitime Nachfolger. Doch dies war nicht sein offizieller Titel. Zuerst musste er dafür eine sterbenslangweilige Zeremonie über sich ergehen lassen. Eigentlich hätte diese bereits an seinem einundzwanzigsten Geburtstag stattfinden sollen, aber er hatte sich erfolgreich geweigert. Und Lucius hatte ihm diese Weigerung, sehr zu seinem Erstaunen, zugestanden. Vorerst natürlich.
Einige Tage später hatte er damals herausgefunden, dass ein erwachsener Zauberer durchaus das Recht hatte, die symbolische Krone, die man ihm anbieten würde, abzulehnen. In diesem Moment war ihm einiges klar geworden: Sein Vater wollte mit dem Aufschub nur einen riesigen Skandal vermeiden. Denn bei der netten Festlichkeit würden alle wichtigen Würdenträger anwesend sein. Da es wohl kaum schicklich war, dem Princeps vor aller Öffentlichkeit das Krönchen direkt vor die Füße zu werfen, musste der ernannte Nachfolger auch zustimmen.
Bis jetzt hatte Draco gedacht, er könne das einfach aussitzen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Und dann schlug die ultimative Geheimwaffe zu: Der vorwurfsvoll flehende Blick einer enttäuschten Mutter.

Falls es eines gab, was er am wenigstens sein wollte, dann war es Herrscher des Dunklen Reiches zu sein. Er konnte sich nicht mit Lucius’ Politik und Vorgehensweise anfreunden. Und er war sich nicht einmal mehr sicher, ob er dessen Ideale vertreten konnte. So weit hatten ihn Hermine und sein trügerischer Wunsch nach Freiheit und Vertrauen bereits gebracht.
Allerdings war genau das vielleicht die Lösung für sein Problem. Er musste sie endlich aus seinem Kopf kriegen, sonst würde er noch eine Dummheit begehen. Und es war besser, viel besser, dass sie kein fester Bestandteil seines Lebens geworden war. Sie gehörten verschiedenen Welten an und sie war in seiner in Gefahr. Daher war es wahrscheinlich gut, einen möglichst rabiaten Schlussstrich zu ziehen.
Abrupt schwang er seine Beine aus dem Bett und stand auf. „Und du denkst, ich habe ihn schon zu lange zappeln lassen?!“
Ihre stoisch-ausdruckslose Miene verriet mehr als tausend Worte.
Betont gelassen zuckte er mit den Schultern. „Warum nicht? Womöglich wird das eine richtig lustige Sache, diese Zeremonie. Und danach veranstalten wir eine absolut geile Party.“

Seine Mutter bedachte ihn mit einem tadelnden Blick. „Hör auf damit! Du solltest diese Angelegenheit wirklich ernst nehmen. Immerhin geht es dabei um deine Zukunft.“
Ihm entfuhr ein genervtes Stöhnen, bevor er es verhindern konnte. Sofort wiegelte er ab. „Ich bin mir im Klaren darüber, um was es hier geht. Deswegen habe ich mir auch so lange Zeit gelassen. Ich wollte die Entscheidung nicht übers Knie brechen. Mal davon abgesehen, dass ich sowieso keine andere Wahl habe. Er wird notfalls irgendetwas finden, um mich dazu zu nötigen, die Krone anzunehmen.“
Ihr versteinerter Gesichtsausdruck täuschte nicht darüber hinweg, dass ein verräterischer Funke Mitgefühl in ihren Augen aufblitzt. „Draco, er will nur, dass du Verantwortung zeigst und dein Schicksal annimmst. Dass du die Wahl bewusst triffst. Ansonsten wirst du deinen Vater nicht lange überleben.“

Wut stieg in ihm hoch. Natürlich! Lucius ging es allein um das Wohlergehen seines Sohnes. Der Princeps würde ihn niemals zu etwas zwingen, um sein Gesicht zu wahren.
Draco verstand es einfach nicht. Weshalb musste seine Mutter ihren Mann immer verteidigen, obwohl dieser sie seit Jahren kaum noch beachtete? „Aber klar doch!“, murmelte er zornig und räusperte sich dann, bevor er sich bewusst von ihr abwandte, um seine nächsten Worte so kalt wie möglich klingen zu lassen. „Ich habe dir gesagt, dass ich einverstanden bin. Das sollte wohl reichen, um dich zufrieden zu stellen. Oder?“
Ihr tiefes, verletztes Seufzen versetzte ihm einen schmerzhaften Stich. Trotzdem drehte er sich nicht zu ihr um, sondern wartete, bis ihre Schritte in der Ferne verhallten.

~ * ~ * ~

Mit hinter dem Rücken verschränkten Händen stand Snape an dem hohen Fenster seines Privatbüros und starrte hinaus auf die Büsche und Bäume vor seinem Haus. Er nahm sie nicht bewusst war, so versunken war er in seine Gedanken. Zudem war er innerlich in Aufruhr. Lupin hatte ihm versprochen, sich zu melden und ihm seine Entscheidung mitzuteilen, sobald er die letzten Sicherheitsvorkehrungen getroffen hatte.
Und natürlich musste auch der liebe, nette Harry damit einverstanden sein.
Abwehrend schüttelte er den Kopf. Selbst nach all den Jahren, die James nun tot war, verspürte er immer noch diesen bohrenden Hass, wenn dieser ihm in den Sinn kam. Und Potter Junior, ausgerechnet der gemeinsame Spross seines Erzfeindes und Lily, rief bei ihm dieselbe Reaktion hervor. Obwohl er dem Bengel bisher nur ein einziges Mal begegnet war, damals in dieser Nacht, als er zusammen mit Remus die gesamte Familie vor Voldemort gerettet hatte.
Auf welche Weise würde sich dieses Gefühl wohl auf seine Beziehung zu Katrina auswirken, falls sich herausstellte, dass sie wirklich Lily war?
Er wusste es nicht. Und wenn er ehrlich war, beunruhigte ihn das. Besonders jetzt da James in jedem Fall aus dem Weg geräumt war.

Doch die wichtigste Frage, die ihn beschäftigte, war, was Katrina oder Lily für ihn fühlte. Zwischen ihrer Rettung und ihrem Tod hatten sie kaum Kontakt zueinander gehabt, aus Sicherheitsgründen, um seine Tarnung nicht zu gefährden. Er hatte nie mit ihr darüber reden können, was in Hogwarts mit ihnen beiden geschehen war und wie sie die Ereignisse von damals nach seinem Überlaufen zu Dumbledore bewertete. Hatte sie ihm verziehen? War sie bereit gewesen, ihm wieder zu vertrauen? Hatte sich vielleicht sogar unter diesen Umständen ihr Verhältnis zu ihrem Mann verändert?
Ein leises Klingeln erlöste ihn von seinen quälenden Gedanken. Erleichtert wandte er sich von dem trostloslangweiligen Anblick seines Gartens ab und verließ eilig den Raum. Durch den langen Flur gelangte er zu dem magisch versteckten Zugang zu seinen Geheimräumen. Er sprach den Zauber und trat dann durch die Wand.
Eilig passierte er die Reihen der Bücherregale, ohne sie zu beachten, und erreichte auf diese Weise in einen der hinteren Bereiche. Hier stand, zwischen zwei hohen Schränken, auf einem kleinen Tisch das Herzstück seines Sicherheitssystems: Ein speziell gesicherter Computer.

Der Orden hatte ihm diesen gestiftet, einzigartig modifiziert und hauptsächlich dazu gedacht, kurze Nachrichten mit Lupin auszutauschen. Sie nutzten diese Variante nicht oft, besonders dann nicht, wenn sie eine Sache ausführlich besprechen mussten. Aber sobald sie sich verabreden oder verschlüsselte Mitteilungen über vorher diskutierte Themen versenden wollten, griffen sie auf diese Methode zurück.
Snape zückte seinen Zauberstab und tippte mit dessen Spitze gegen den Bildschirm. „Revela!“ Auf seinen Befehl hin enthüllte der Monitor wenige prägnante Worte: „Alles vorbereitet. Gewohnter Treffpunkt.”
Triumphierend schaltete er den Rechner wieder aus. Remus hatte sich also schließlich doch dazu durchgerungen, Harry und Katrina aufeinander treffen zu lassen. Und die Ausdrucksweise verriet, dass die Zusammenkunft sofort zustande kommen sollte.
Katrina würde sich freuen. Seit Tagen wartete sie bereits darauf, dass er sein Versprechen, ihr bei der Suche nach ihrem Sohn zu helfen, einlöste. Und er hatte ihr auch noch Hoffnungen mit der Zusicherung gemacht, er habe schon eine Spur.

Er beeilte sich, zurück auf den Flur zu gelangen, um ihr so schnell wie möglich Bescheid zu geben. Danach würden sie sofort aufbrechen.
Aber auf dem Weg zur Bibliothek, wo er sie zuletzt gesehen hatte, wurde er urplötzlich von einem seiner Hauselfen aufgehalten. Dieser verbeugte sich umständlich vor ihm, bevor er schließlich sein Anliegen vorbrachte. „Master, gerade eben ist eine Einladung vom Princeps persönlich eingetroffen. Der Dienstbote des hohen Herrn wünscht augenblicklich eine Antwort.“
Unwirsch nahm Snape den Wisch entgegen, den das Wesen ihm hinstreckte. Er brach das Siegel und warf einen kurzen Blick auf den Inhalt des Pergaments. Daraufhin seufzte er.
Nun war es also offiziell.

~ * ~ * ~

Lupin war so nervös wie schon lange nicht mehr. Die Säulen, der Efeu, ja die gesamte Plattform interessierten ihn kaum, während Harry neugierig seinen Blick über die fremde Umgebung schweifen ließ. Das Zwitschern der Vögel hingegen reizte seine Nerven, machte ihm seine Anspannung überdeutlich bewusst.
Es war riskant, den Jungen mit hierher zu bringen. Und ihm zu enthüllen, wer der Spion des Ordens war. Dass es diesen überhaupt gab. Zudem würde er ihn bald mit einer Frau konfrontieren, die seiner Mutter zum Verwechseln ähnlich sah.
Andererseits ergab sich hiermit die Chance, das Geheimnis um diese Unbekannte aufzulösen. Wenn sie wirklich Lily war, dann hatte er damals mit seinem Versuch, seine Freunde zu retten, nicht vollkommen versagt. Und dann war einer seiner engsten Vertrauten doch noch am Leben.

In diesem Moment vernahm er ein leises, kurzes Zischen wenige Meter neben ihm und eine Sekunde später apparierten Snape und eine andere Gestalt in den Schatten zwischen zwei stark bewachsenen Säulen. Der Werwolf wusste sofort, dass es nur die ominöse Bekannte sein konnte, die Severus mitbrachte. Nun entschied es sich, ob sich dieses Treffen auch lohnte.
„Wann wirst du ihn endlich umbringen?“
Harry warf ihm einen verwunderten Blick zu und er war selbst überrascht, wie müde er klang. Lag es daran, dass er inzwischen von Hermines Beziehung mit Draco Malfoy erfahren hatte? Oder war er es allmählich leid, immer dieselbe Frage zu stellen, die bestimmt nicht so schnell positiv beantwortet werden konnte? Aber Severus einen anderen Code vorzuschlagen, kam einem Spießrutenlauf gleich.
„Wenn du es endlich geschafft hast, das System so zu destabilisieren, dass es nach seinem Tod in sich zusammenfällt.“

Als sein bester Spion ins Licht trat, keuchte Harry erschrocken auf. „Das ist einer der Mitglieder des Hohen Rates!“
Snape musterte den jungen Mann mit der ihm eigenen Abfälligkeit. „Wow, dein vielgeliebter Schützling hat seine Hausaufgaben gemacht. Du musst ja so was von stolz auf ihn sein.“
Lupin beachtete ihn gar nicht, sondern erklärte stattdessen Harry die Situation. „Er ist auch derjenige, der den Dunklen Lord getötet hat.“
Dieser sah ungläubig von einem zum anderen. „Es gibt ihn also wirklich? Den ominösen Informanten innerhalb des innersten Kreises der Regierung? Das ist kein Gerücht?“
Severus schnaubte sichtlich genervt. „Ja, ich bin schuldig. Können wir das jetzt endlich abhaken? Wieso hast du ihn nicht vorher aufgeklärt?“
Remus hätte ihn am liebsten zornig angefahren. Doch eine schüchterne Unterbrechung verhinderte augenblicklich den nahenden Streit. „Entschuldigung, aber sollten wir nicht auf den Kern der Sache zu sprechen kommen, wenn wir schon dieses Risiko eingehen und uns alle zusammen hier treffen?“

Harry erstarrte. Ihm war deutlich anzumerken, dass er die Stimme seiner Mutter erkannt hatte. Unglauben mischte sich im Gesicht des Jungen mit verzweifelter Hoffnung. „Mum? Bist du das? Wie ist das möglich?“
Zögernd trat Katrina aus dem Schatten auf sie Drei zu. Sie runzelte nachdenklich die Stirn und sah auf diese Weise Lily noch ähnlicher. So ähnlich, dass es schmerzte. Zurückhaltend blieb sie vor ihrem vermeintlichen Sohn stehen und musterte ihn ausgiebig. Sie war etwas kleiner als er, nachdem er in den letzten Jahren einige Zentimeter an Höhe zugelegt hatte. Doch es schien ihr gar nicht aufzufallen. Sie betrachtete ihn mit einer Genauigkeit, die jedes einzelne Detail berücksichtige. „Bist du Harry?“
Ihr Gegenüber nickte wortlos, offensichtlich nicht mehr in der Lage, einen vernünftigen Gedanken zu fassen.
Vorsichtig streckte Katrina ihre Hand nach ihm aus, berührte ihn zärtlich an der Wange.

Dann plötzlich ging eine erschreckende Veränderung bei ihr vonstatten. Sie taumelte unerwartet zurück, wie von einem heftigen Schlag getroffen, und ihre Atmung beschleunigte sich in beunruhigender Art und Weise. Ihre Augen wurden vor Entsetzen groß und sie presste sich ihre rechte Hand gegen die Brust. „Was… was ist passiert? Wo-woher stammen diese Bilder?“ Verängstigt fixierte sie Harry. „Ich kenne dich, dein Gesicht. Doch ich weiß nicht woher. Alle Erinnerungen an dich sind fort. Und trotzdem bin ich erleichtert, dass du lebst, obwohl ich nicht sagen kann, weshalb.“
Lupin musste schlucken, als er die Tränen entdeckte, die in Harrys Augen schimmerten. Dieser handelte instinktiv, packte die Fremde und drückte sie fest an sich.
Der Werwolf kämpfte mühsam gegen sein Misstrauen an, das ihm all die Konsequenzen für den Fall bewusst machen wollte, dass diese Katrina nicht Lily war. Er musste, so schwor er sich, dringend herausfinden, wie seine beste Freundin überlebt haben konnte.

~ * ~ * ~

Gelangweilt ließ Draco seinen Blick über die unzähligen Gäste schweifen. Er fühlte sich genauso fehl am Platz wie bei Pansys Hochzeit, nur dummerweise war er diesmal die Hauptperson und konnte nicht einfach unauffällig verschwinden.
Sein Vater hatte innerhalb der kurzen Zeit ganze Arbeit geleistet. Wofür viele Paare, die sich trauen wollten, Monate brauchten, das hatte er in ein paar Tagen geschafft. Wahrscheinlich war bereits alles bereits vor Jahren vorbereitet worden und man hatte nur auf den richtigen Moment gewartet, die Pläne in die Tat umzusetzen. Der riesige Saal, in dem seine Ernennung zum Kronregenten stattfinden sollte, war jedenfalls bereits seit seiner Geburt reserviert für diesen einen Tag. Draco war sich sogar sicher, dass das gesamte Gebäude extra zu diesem Zweck erbaut worden war. Die verschnörkelten Goldverzierungen an Wänden und der Decke und die kunstvollen Kronleuchter über ihren Köpfen, in denen tausende brennender Kerzen befestigt waren, waren zumindest bisher nicht durch irgendwelche niederen Festlichkeiten entweiht worden.

Er drehte sich um und sah sich nach Lucius um. Bald würde der offizielle Teil der Zeremonie beginnen, aber Draco verspürte weder Aufregung noch den Wunsch, sich aus dem Staub zumachen. Er hatte sich dazu entschieden, sich auf einen neuen Abschnitt in seinem Leben einzulassen, um mit Hermine abschließen zu können. Es würde nicht der spaßigste Abschnitt werden, dessen war er sich sicher. Trotzdem war es wesentlich besser, als die nächsten Jahre Zuhause im Bett herumzuliegen und einer verlorenen Liebe nachzutrauern. Der Schmerz in seinem Inneren würde schon irgendwann abklingen.
In diesem Augenblick traten seine Eltern gemeinsam aus einem Nebenraum in den Saal und begaben sich zu dem meterlangen Tisch, hinter dem der Thron des Princeps aufgebaut worden war. Zwei kunstvoll gearbeitete, hohe Lehnstühle mit roten samtenen Sitzbezügen flankierten rechts und links den Thron, deutlich kleiner, doch nicht weniger pompös.
Lucius und Narzissa stellten sich hinter den Tisch und warteten geduldig, bis sich ihnen jeder einzelne Anwesende zugewandt hatte und sie die Aufmerksamkeit sämtlicher Gäste genossen.
Dann war es Zeit für den Auftritt ihres Sohnes.

Während er nach vorne schritt, fühlte er die Blicke aller auf ihm. Dies war er zwar gewöhnt, aber es störte ihn ein wenig, dass er in der breiten Öffentlichkeit mit diesem Gewand herumlaufen musste. Ein weißes, scheußliches Etwas, mit goldenen, silbernen und smaragdgrünen Fäden durchwirkt. Seine Mutter nannte es edel und schick und lobte, wie unglaublich toll es zu seinen Haaren und seinen Augen passte. Er selbst fand, dass es einfach nur schwul aussah.
Zu seiner Erleichterung trug sein Vater ein ähnlich hübschhässliches Gewand, das ihn noch bleicher als sonst wirken ließ. Dann war er nicht der Einzige hier, der sich blamierte.
Er bemühte sich um eine möglichst ausdruckslose Miene, bevor er vor dem Tisch, direkt vor dem Princeps stehen blieb. Dieser schenkte ihm ein kurzes, wohlwollendes Nicken, doch seine Rede gab er nicht sofort zum Besten. Sekunden später wusste Draco, warum, denn lautlos trat Snape neben ihn, auffallend gekleidet in seiner üblichen schwarzen Kluft. Der Umhang schien aus wertvollem, schweren Samt zu bestehen, aber ansonsten unterschied sich sein Aufzug nicht sonderlich von den täuschend ähnlichen Roben aus seinem Repertoire.

Nun begann seine eigentliche Ernennung zum Kronregenten. Lucius umrundete den Tisch und stellte sich neben seinen Sohn. Eingerahmt von Snape und seinem Vater drehte sich Draco zu der Zuschauermenge um. Dann hielt der Princeps eine lange, uninteressante und nervtötend langweilige Rede. Bereits nach ein paar Minuten hörte Draco nicht mehr zu und seine Gedanken schweiften ab.
Er könnte in diesem Moment auch ganz woanders sein. Er musste nur geradeaus laufen, die große zweiflüglige Eingangstür erreichen und passieren. Mit dem Geld, das er all die Jahre zurückgelegt hatte, konnte er weit kommen, sogar sehr leicht außer Landes reisen. Und Hermine suchen.
Wütend über sich selbst ermahnte er sich sofort, damit aufzuhören. Er musste sie vergessen, die Gefühle für sie tief in seinem Inneren begraben, um sie zu schützen. Um zu verhindern, dass irgendjemand von der Regierung die Wahrheit über sie erfuhr. Er durfte nicht so blöd sein und sich einbilden, irgendeine romantische Wunschvorstellung könne Wirklichkeit werden. Diese Beziehung war von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen.

Plötzlich beugte sich Snape unauffällig zu ihm hinüber und flüsterte ihm etwas ins Ohr. „Dein Vater denkt oft exakt dasselbe über deine Mutter.“
Diese Worte fraßen sich regelrecht in Dracos Seele hinein. Einerseits weckten sie die Panik darüber, dass er so leicht durchschaut und legilimentiert worden war, ohne das Geringste zu bemerken. Er hatte Hermine verraten, allein indem er sich befohlen hatte, sie aus seinem Kopf zu verbannen. Andererseits, und dies war seltsamerweise ungleich schlimmer für ihn, war er gerade mit seinem Vater verglichen worden. Ob dieser Vergleich nun berechtigt war oder nicht, war egal. Fakt war, dass er wirklich seine Gefühle zurücksteckte, und zwar aus demselben Grund, den Lucius immer vorschob: Um diejenigen, für die er etwas empfand, zu schützen. War dies nur eine Ausrede, ein Vorwand, um sich nicht darüber klar werden zu müssen, wie er nun zu Hermine stand? War er derselbe emotionale Feigling, für den er Lucius immer gehalten hatte?

~ * ~ * ~

Es war weit nach Mitternacht, als Snape durch das Läuten der Türglocke aus seinen Vorbereitungen für einen komplizierten Trank gerissen wurde. Überrascht und misstrauisch zugleich sah er auf und fragte sich unwillkürlich, welcher Idiot um diese Uhrzeit noch bei ihm vorbeischaute, um ihn zu nerven.
Mit einem unguten Gefühl im Bauch verließ er sein unterirdisches Labor und hechtete die lange, steinerne Wendeltreppe ins Erdgeschoß hinauf. In Momenten wie diesen war er froh, dass er die Klingel im ganzen Haus hören konnte. Denn auf einen nächtlichen Gast wollte er nicht erst durch einen seiner Elfen aufmerksam gemacht werden.
Einer dieser lästigen Diener hatte inzwischen die Eingangstür geöffnet, bevor er sie erreicht hatte. Severus seufzte frustriert auf, doch sein Unbehagen wurde erst richtig geweckt, nachdem er entdeckte, wer ihn störte.

Zwar hatte er bereits damit gerechnet, Draco mit seiner Bemerkung während der Zeremonie anzulocken. Das hatte er sogar beabsichtigt. Aber dass es so schnell passierte, war nicht seine Absicht gewesen.
Der junge Mann musterte ihn mit durchdringendem Blick und beachtete den Hauself gar nicht. „Ich bin hier, um dich unter vier Augen zu sprechen.“
Abwehrend verschränkte Snape die Arme vor der Brust. „Jetzt? Mitten in der Nacht?“
Dracos Miene drückte höchste Entschlossenheit aus. „Tu es besser, sonst wirst du es ganz sicher bereuen.“
Wie auf ein geheimes Stichwort hin disapparierte der Hauself geschockt und Severus kam sich leicht verraten vor. „Willst du mir drohen?“
Sein Gegenüber nickte ernst. „Ich weiß nicht, was du in meinen Gedanken gelesen hast. Aber du wirst es nicht weitergeben. Und du wirst mir dabei helfen, Hermine Weasley ausfindig zu machen, ohne meinen Vater davon in Kenntnis zu setzen.“
Das klang ja nach einer handfesten Erpressung. „Sonst was?“
Über Dracos Lippen glitt ein grimmiges Lächeln, das Snape nichts Gutes ahnen ließ. „Sonst werde ich deine nette Freundin der Geheimpolizei ausliefern. Die werden sie bestimmt einiges fragen wollen, sobald ich ihnen mein schönes Video gezeigt habe.“


A/N:Okay, diesmal gibt's nen richtigen Cliffhanger. Aber dafür werdet ihr im nächsten Kapitel erfahren, was auf dem Video drauf ist und was das Ganze mit Katrina zu tun hat.
Vielen lieben Dank an euch alle fürs Lesen und Kommentieren.

@Thayet: Ja, sie ist gegangen. Aber wie gesagt: Das ist nötig für die folgende Geschichte.
Und wie du siehst, geht Draco sogar noch weiter, um Hermine zu schützen.
Über Hermine selbst kommt jetzt erst mal nicht so viel. Die nächste Szene mit ihr wird erst kommen, wenn sich die Lage noch mehr zugespitzt hat. Auf jeden Fall wird Lucius bald ganz radikal handeln.

@Eve: Ja, wie du siehst, braucht es nur etwas Legilimentik, um die Sache mit Hermine aus seinem Kopf herauszulesen. Da kann er wirklich froh sein, dass es nur Snape war und nicht Bellatrix oder sein Vater. Aber das wird ihm noch nützlich sein.
Wie das Treffen abgelaufen ist, weißt du ja jetzt, auch wenn es nur kurz war. Es war für Katrina auf jeden Fall ein Aha-Erlebnis, das sie noch etwas beschäftigen wird.
Und Lucius wird sich noch gehörig umsehen, gerade jetzt, nachdem sein Sohn sich endlich einsichtig zeigt.


 
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"Red-Sydney: Das Dunkle Reich - Teil 31" | Anmelden/Neuanmeldung | 2 Kommentare | Diskussion durchsuchen
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Re: Red-Sydney: Das Dunkle Reich - Teil 31 (Punkte: 1)
von redangeleve auf Donnerstag, 29. Juli 2010 @ 18:53:40 Uhr
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Hm, ich tippe jetzt einfach mal frech ins Blaue hinein und sage, dass auf dem Video zu sehen sein wird, wie Lily es geschafft hat, zu fliehen und ihren Blutstatus zu ändern. Ich denke außerdem, dass derjenige, der ihr zur Flucht verholfen hat, ihr Gedächtnis manipuliert hat, denn sonst hätte sie sich nie darauf eingelassen zu fliehen, sondern hätte alles unternommen, um wieder zu ihrem Sohn zurück zu kommen.
Aber vermutlich ist es etwas ganz anderes, auf das ich niemals kommen würde. Es macht mir nur riesigen Spaß, die wildesten Vermutungen anzustellen.
Soso, Katrina/Lily hat also ihren vermeindlichen Sohn gesehen und so reagiert, wie man es erwarten sollte. Okay, ich hatte schon gehofft, ihr würde alles wie Schuppen von den Augen fallen, aber so einfach machst Du es uns natürlich nicht.

Und der gute Draco versucht den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben. Klar, es ist eindeutig die beste Alternative, um die Gedanken an Hermine loszuwerden, sich in die besch.... Pläne seines Vaters einspinnen zu lassen. Wenn auch nur halbherzig. Er glaubt doch nicht, dass der ihn nun wieder so einfach vom Haken lässt, oder?
DRaco kann wahrlich von Glück sagen, dass es nur Snape war, der sich in seinen Kopf geschlichen hat. Alles andere wäre eine Katastrophe. Und nun will er also von ihm Hilfe bei der ERmittlung von Hermines Aufenthaltort. Nun ja, lieber spät als nie. Da bin ich mal auf die Auflösung im nächsten Teil gespannt.



Re: Red-Sydney: Das Dunkle Reich - Teil 31 (Punkte: 1)
von Thayet auf Donnerstag, 29. Juli 2010 @ 22:22:57 Uhr
(Userinfo | Artikel schicken)



Hey Syd =)

Also ich bin ehrlich überrascht. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass Draco die Zeremonie über sich ergehen lässt. Als ich dann aber gelesen habe, was du unter den Teil geschrieben hast, das er noch mehr tut, um Hermine zu schützen, da machte das echt Sinn und ich muss sagen: Hut ab!

Das er natürlich jetzt zu Snape geht und ihn erpressen will, damit er sie findet, naja... macht das nicht alles wieder kaputt? Also, das er sie schützen will, indem er dem Wunsch seines Vaters nachkommt? Hm... Aber wer weiss, was dahinter steckt. Ich bin überzeugt, er (bzw. du *g) hat das gut durchdacht und weiss was er tut.

Auch wenn das Treffen von Harry und seiner vermeintlichen Mutter nur kurz war, so hat es mir echt gut gefallen. Es war so, wie es sein sollte. Er erkennt sie (oder glaubt es zumindest?!) und sie auch - auch wenn ihre Erinnerungen weg sind. Und das Schönste war die Umarmung.

Also du sieht, mir hat dieser Teil sehr gut gefallen und bin ich schon ganz gespannt, wie es im nächsten dann weiter geht.

Alles Liebe Thayet







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