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Amancham: Grab a Hold 2: Mind

Eigentlich hätte Lindsey sterben sollen. Doch er hat überlebt, worüber Angel alles andere als begeistert ist. Er macht Lindsey das Leben zur Hölle, ganz egal wie sehr dieser versucht, sein Vertrauen zu gewinnen. Doch Angel muss erkennen, dass sein altes Feindbild vielleicht doch nicht mehr stimmt und das Leben hält noch so einige Überraschungen bereit, auch für einen Untoten ...

[Angel(us)/Lindsey]

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Der Charakter, der übernommen werden muss ist Lindsey, d.h. das Pairing der Story muss Lindsey/XY sein.

Ich will, dass ...
  • das Zitat „Vergieb deinen Feinden, aber vergiss niemals ihre Namen“ (von John F. Kennedy) direkt oder indirekt vorkommt
  • jemand blutet
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Ich will nicht, dass ...
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 prelence: All-In - Teil 1
Geschrieben von prelence am Montag, 26. Juli 2010 @ 22:18:42 Uhr



Autor: prelence
Titel: All-In
Inhalt: Irgendwann in der dritten Staffel... Sam lässt nichts unversucht seinen Bruder aus dem Vertrag zu befreien. Auch eine Verletzung, ungeahnte Gefühle und eine unerwartete Begegnung halten ihn nicht davon ab, sein Ziel hartnäckig zu verfolgen...
Altersfreigabe: ab 18 Jahren
Teil: 1/?
Disclaimer: Alle in dieser Story verwendeten Charaktere und Grundkonzepte sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Sie werden einzig und allein zu Unterhaltungszwecken genutzt. Eine Copyright-Verletzung ist weder beabsichtigt noch impliziert.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Dean/Sam, und später noch viele andere
Kommentar: Oi, was für ein Pairing ist das! Ungewohnt und neu hier! Und doch wagen wir es, euch diese Story zu präsentieren! Denn wir mögen diese Story, unser ganzes Herzblut hängt daran.. durchgemachte Nächte, wundgeschriebene Finger, tapferes Betalesen.. und das alles nur, weil wir die Jungs so mögen! Ihr auch? Lasst es uns wissen, eure prelence... Widerstand ist eh zwecklos! Lest rein!



 

Kapitel 1

Das Mondlicht zeichnete die Umrisse des Fensters scharf nach, trennte deutlich zwischen hell und dunkel. Es war der hochflorige Teppichboden, der die Umrisse verschwimmen ließ. Im Mondlicht wirkte die grasgrüne Farbe des Teppichs dunkler, erinnerte nicht so sehr an die siebziger Jahre. Das Abbild der oberen Fensterhälfte wurde durch das Bett verzerrt, das nur unweit des Fensters mit dem Kopfende an die Längsseite des Raumes grenzte. Ein zweites Bett stand nur eine Nachttischbreite weiter oberhalb. Betttuch und Kopfkissen hatte Sam heute Morgen sorgfältig aufgeschüttelt und zusammengelegt. So wie er es immer tat. Er mochte die Unordnung nicht, die sein Bruder so gerne hinterließ. Das Zimmer war für ein Motel seiner Preisklasse sehr groß und es waren einige Schritte bis zur Badezimmertür. Das Bad selbst stammte noch original aus den siebziger Jahren, grüne und gelbe Fliesen wechselten sich in einem psychedelischen Muster ab. Eine Renovierung wäre dringend notwendig gewesen, aber dafür fehlte sicher das Geld. Dennoch war das Zimmer sehr gepflegt, sehr sauber. Man spürte, dass dem Besitzer etwas an dem Motel lag. Auf dem kleinen Schreibtisch, der rechts oben in der Ecke stand, fand sich sogar ein kleines Blumenarrangement aus echtem Grün.

Die Stille wurde jäh zerrissen, als Sam schwungvoll die Tür öffnete. So schwungvoll, dass sie gegen die Wand schlug und den beiden Brüdern wieder entgegenkam. Sam fing die Tür mit der Linken ab. Mit seinem rechten Arm stützte er seinen Bruder, der mit schmerzverzerrtem Gesicht neben Sam in das Zimmer taumelte.

„Scheiße“, fluchte Dean und sank auf das erste Bett. Sam stützte seinen Bruder bis er sicher auf der Bettkante saß, dann schloss er hektisch die Zimmertür und knipste das Licht an.

„Lass sehen“, sagte er zu Dean gewandt, die Stirn in sorgenvollen Falten. „Zieh die Jacke aus!“

Vorsichtig griff der Große an den Kragen der Jacke, half seinem Bruder sie auszuziehen. Ein großes Loch klaffte auf dem Rücken, der Rand war blutgetränkt. „Dean, das sieht nicht gut aus!“, die Falten auf Sams Stirn zogen sich noch enger zusammen.

„Es geht schon“, wehrte Dean ab. „Es tut nur schweineweh, das ist alles.“

„Das ist nicht alles! Das T-Shirt muss runter, so kann ich die Wunde nicht richtig sehen!“

Genervt verdrehte Dean trotz der gewaltigen Schmerzen die Augen, folgte aber der Aufforderung seines Bruders. Mit seinem unverletzten rechten Arm zog er sich das Shirt über den Kopf. Als er den linken Arm bewegte, entwich ihm ein gequältes Stöhnen. Sam hatte derweil ein feuchtes Handtuch aus dem Bad geholt und begann sofort, die Wunde auf der Schulter abzutupfen. „Die Wunde muss genäht werden, Dean. Am besten wir fahren in ein Krankenhaus.“

„Hör auf zu spinnen… das wird auch so wieder“, Dean versuchte einen Blick auf seine Schulter zu werfen, was ihm natürlich nicht gelang. Zu weit hinten war die Wunde und die Schulter schmerzte mitsamt dem Arm bei jeder Bewegung.

„Von alleine wird das nicht wieder!“, Sam klang aufgebracht.

„Dir ist schon klar, dass wir derzeit keine brauchbare Versichertenkarte haben? Und es kommt nicht gut, wenn wir als Serienmörder und verrückter Bruder einchecken!“

„Dann nähe ich die Wunde eben!“

„Was? Bist du verrückt?“

„Bobby hat mir gezeigt wie es geht. Ich krieg das hin. Dann brauchen wir nur noch vorsorglich Antibiotika und alles wird gut.“

„Gar nichts wird gut! Du lässt die Finger weg! Klar!?“ Wütend sprang Dean auf und entzog sich so Sams Fürsorge.

„Dean!“, Sam sprang ebenfalls auf die Füße, „die Wunde muss genäht werden! Und ich werde sie jetzt nähen! Setz dich wieder hin!“ Er war ein gutes Stück größer als sein Bruder und in solchen Momenten war das von Vorteil. Zunächst zögerte Dean. Er war sich wirklich sicher, dass die Verletzung nicht so schlimm war, aber er wollte auch keine breite, hässliche Narbe auf der Schulter. Und womöglich hatte Sam vielleicht doch recht, vielleicht heilte die Wunde wirklich nicht von alleine und würde in ein paar Tagen wässrig und eitrig sein.

„Dann tu was du nicht lassen kannst!“ Mit diesem Spruch sank Dean wieder auf die Bettkante, drehte sich so zur Seite, dass Sam die Wunde versorgen konnte. Aus seiner Tasche holte Sam ein kleines Päckchen, neben Nadel und Faden waren Verbandszeug und Pflaster darin enthalten. Dean konnte sich nicht erinnern, das Päckchen jemals zuvor gesehen zu haben. „Woher hast du das?“, fragte er. „Hab ich mir vor ein paar Wochen zugelegt.“, die Antwort klang irgendwie ausweichend. Mit geschickten Fingern hatte Sam den Faden auf die Nadel gezogen, desinfizierte die Nadel mit einer klaren Flüssigkeit aus dem Päckchen. Zu Deans Überraschung konnte Sam wirklich ziemlich gut nähen, zumindest schmerzte die Wunde dabei nicht wesentlich stärker als sie es ohnehin schon tat.

„Woher kannst du das?“, fragte Dean seinen Bruder als dieser die Wunde abschließend mit einem, mit der klaren Flüssigkeit getränktem Wattebausch abtupfte. „Sagte ich doch schon“, antwortete Sam. „Bobby hat es mir gezeigt.“

„Hab ich gar nicht mitgekriegt..“ Er konnte sich wirklich nicht daran erinnern und es sich auch nicht vorstellen, dass Bobby Sam so etwas gezeigt haben sollte und ihm nicht. Sie waren immer zusammen bei Bobby gewesen.

„Ich glaube, die Apotheke im Supermarkt an der Ecke hat rund um die Uhr auf. Ich werde mal zusehen, dass ich dort Wundpflaster und Antibiotika bekomme.“

„Das besorgen wir morgen früh, das Pflaster da reicht.“ Dean war müde, die Schulter pochte unangenehm, der Schmerz strahlte trotz einer Tablette noch immer in den linken Arm aus. „Es ist nur eine leichte Verletzung, Sam. Kein Grund für Hektik…“ Dean ließ sich dabei vorsichtig seitlich auf das Bett sinken. Die verletzte Seite schonte er zwar, die Position war aber dennoch unangenehm und so setzte er sich wieder auf.

„Was soll das, Dean?“ Sam spürte wie Wut in ihm aufstieg. Er hasste die Leichtfertigkeit, mit der Dean in den letzten Wochen mit seinem Leben umging.

„Was soll das Sam?“, Dean ahmte den Tonfall seines kleinen Bruders nach. „Die Frage kannst du dir mal stellen? Ich bin verletzt, na und? Das war ich schon hundertmal zuvor…“

„Na und?“, brauste Sam auf. Die Wut kochte jetzt heiß in ihm. „Der Vampir hat dich gegen ein Eisengerüst geschleudert! Die Wunde an deinem Rücken ist kein Kratzer, sie ist verdammt tief! Dir war im Auto schwindlig! Ich mache mir ganz einfach Sorgen!“

„Du übertreibst völlig!“ Dean sprang jetzt auf die Beine und wurde laut. „Du behandelst mich wie ein Kind! Wenn ich dir sage, dass die Wunde nur weh tut, dann tut sie das auch nur!“

„Klar!“, brüllte Sam zurück. „Wenn es nicht wirklich schlimm wäre, würdest du es nie zugeben, dass du Schmerzen hast. Wieso, Dean, wieso benimmst du dich so? Wieso kümmert es dich nicht, dass ich mir Sorgen mache? Dir ist alles egal geworden, du bist ja in ein paar Monaten nicht mehr am Leben! Ist doch egal, was mit Sam wird!“

Fast unmerklich zuckte Dean bei diesen Worten zusammen. Seinem Bruder entging diese Reaktion.

„Wieso bin ich es, der sich um dich sorgt, der versucht einen Ausweg zu finden? Du könntest wenigstens so tun als würde es dich kümmern!“ Sams Mundwinkel zuckten, aber er schwieg. Er blieb einfach hart ein- und ausatmend stehen. Dean antwortete nicht gleich. Er drehte sich mit dem Rücken zu seinem Bruder, so war es leichter für ihn, über seine Gefühle zu sprechen.

„Mir ist es nicht egal, Sam. Wirklich nicht. Aber ich sehe keinen Ausweg, weil ich dann dein Leben aufs Spiel setzen würde. Ich will nur, dass du lernst damit umzugehen.“

„Mit was?“

„Damit, dass ich nicht mehr da sein werde.“

Sam sackte ein wenig in sich zusammen. Er trat näher an seinen Bruder heran, wagte aber nicht, ihn zu berühren. „Dean. Ich würde damit niemals umgehen können, aber ich würde überleben und irgendwie weitermachen.“

„Woher willst du das wissen?“ Sam hatte Dean nie erzählt, dass er in der Realität des Tricksters drei Monate ohne ihn gelebt hatte. Drei lange, einsame Monate.

„Ich weiß es einfach… ich möchte nicht darüber sprechen. Ich will nicht mal daran denken. Ich will, dass wir einen Ausweg suchen. Du musst weiterleben, Dean. Für mich darfst du nicht sterben.“

Genau in diesem Moment brannte die Glühbirne durch, das Licht erlosch mit einem kleinen Zischen. „Oh verdammt“, Dean blickte mit finsterem Blick zu der kugelförmigen Lampe an der Decke. „Komm, legen wir uns hin, Sam. Die Nacht ist ohnehin schon viel zu kurz.“ Mit diesen Worten verschwand er ins Badezimmer. Sam hörte wie sich sein Bruder die Zähne putzte, dann aufs Klo ging und schließlich kam er wieder heraus.

„Wieso stehst du noch da?“ Erst jetzt bemerkte Sam, dass er sich während der ganzen Zeit in der Dean im Badezimmer gewesen war, nicht bewegt hatte. An was hatte er eigentlich gedacht? Im Grunde an gar nichts. Er hatte einfach nur Deans Geräuschen gelauscht. Geräusche, die er bald nicht mehr hören würde. Er würde alleine sein. Das Zimmer kalt und leer.

„Äh, nichts“, sagte er schnell, zog sich Jacke, Hemd und Hose aus und legte sich in das Bett nahe am Fenster. Das Leintuch fühlte sich kühl auf der Haut an und plötzlich fröstelte es ihn, als wäre es Winter und er ohne Jacke draußen unterwegs. Die Kälte kroch von seinen Füßen hoch zu seiner Mitte, von den Händen über die Arme hin zu seinem Herzen. Er hatte diese Kälte schon einmal gespürt, drei Monate hatte sie nicht weichen wollen. Niemals, niemals hatte er diese Kälte noch einmal spüren wollen.

„Dean“, Sam setzte sich auf, sein Bruder saß ebenfalls noch aufrecht auf dem Bett, die Decke halb über den Beinen und überlegte wohl, wie er sich am bequemsten hinlegen könnte. Das Mondlicht war nicht mehr so hell wie noch vor einer Stunde, aber es genügte, um Deans Konterfei zu erhellen. Sams Blick blieb an den formvollendet geschwungenen Lippen seines Bruders hängen. Sie waren so weich, so elegant, so ganz anders als sein Bruder zu wirken versuchte. Sam wusste, dass sein Bruder nicht so hart war, wie er sich gerne gab. Vielleicht war sein Bruder sogar verletzlicher als er selbst. Schließlich hatte er ohne Dean durchgehalten. Sein Bruder opferte sich lieber für ihn, als alleine zu sein. Ja, er verstand Dean, auch wenn er das nie zugeben würde, aber er wünschte sich, dass Dean nicht bereits jetzt schon alle Hoffnung aufgegeben hätte. Er wünschte sich, dass sein Bruder kämpfen würde. Dass er nicht aufgeben würde, denn Dean war alles was er hatte. Die Mutter hatte er nie kennengelernt, der Vater war tot. Seine Freundin nicht mehr Leben. Ganz weit weg erschien sein Leben an der Uni, im Grunde war dieser Traum ebenfalls gestorben. Nur der Kampf gegen die Dämonen, die Geister und alles andere Übernatürliche war übrig geblieben. Eine nicht enden wollende Schlacht, die Tod und Verdammnis über all jene brachte, die er und sein Bruder nicht retten konnten. Nichts Warmes, nichts Menschliches war noch in seinem Leben. Außer Dean. Noch war Dean da.

„Sam? Was ist los?“ Sam erkannte im Halbdunkel, wie Dean jetzt sorgenvoll die Stirn in Falten legte. Ein Lächeln huschte über Sams Gesicht, er klappte die Bettdecke zur Seite, stand auf und überwand die kurze Distanz hin zu Dean. Ihm war etwas klar geworden in der Zeit, in der er ohne Dean gelebt hatte. Und heute war der Tag, sich seinem Bruder zu offenbaren. Er konnte nur hoffen, dass Dean ähnlich fühlte.

„All-in, Dean. All-in.“

Verständnislos sah Dean ihn an, die sorgenden Falten auf seiner Stirn lösten sich auf, sein Gesicht nahm einen fragenden Ausdruck an. Als Sam sich auf sein Bett setzte, wich er reflexartig ein wenig zurück. „Sam…“, Dean flüsterte unwillkürlich. Sein Herz begann so laut zu pochen, dass er sich fast sicher war, dass Sam es hören konnte. Das Blut rauschte durch seinen Kopf. Wie das Tosen einer Brandung überdeckte es laut jeden Gedanken, verwischte mit schäumender Gischt die Sätze, wirbelte die Worte durcheinander und hinterließ nur Bruchstücke, die scheinbar keinen Sinn mehr ergaben. Dean schnappte nach Luft, plötzlich schien der Sauerstoff knapp zu werden, als wäre er unter Wasser. „Sam?“, flüsterte er nochmal. Sein Bruder blieb ruhig sitzen, er saß zu Dean gedreht, so dass sein Gesicht vom Mondlicht nicht berührt wurde. Obwohl Dean nicht einmal die Umrisse von Sams Augen erkennen konnte, spürte ganz deutlich den liebevollen Blick seines Bruders. Selten blickte Sam ihn so an, nur manchmal, wenn er glaubte, dass er es nicht bemerke. Im Auto auf langen Strecken, oder wenn sie im Bett lagen und Sam dachte, dass er schon schlafen würde. Dann blickte ihn Sam so an. So warm. So liebevoll.

Wieder musste Dean regelrecht nach Luft schnappen. Niemals hatte er seine Gefühle zeigen wollen, niemals sein Inneres offenlegen wollen. All-in. Wie viel Zeit blieb ihnen? Nur ein paar Monate. Ein paar Monate, dann war alles vorbei. Jetzt zählte der Moment. Eigentlich war er ein Draufgänger, aber jetzt fühlte er sich unfähig, sich zu bewegen. Wieder war es Sam, der scheinbar genau wusste, was in seinem Bruder vorging, der näher rückte, der sich zu ihm vorbeugte bis ihre Gesichter ganz nah voreinander waren. Ganz deutlich spürte er den Atem seines Bruders, der seine Haut sanft wie eine warme Meeresbrise streifte. Es kribbelte.

Und dann war es, als würde der Sturm endlich losbrechen. Endgültig waren alle Bedenken, alle Gedanken fortgewischt. Ein Tosen erfasste ihn, die kurze Distanz war schnell überbrückt, seine Lippen krachten regelrecht auf die seines Bruders. Im ersten Moment war Dean ein wenig erschrocken. Es war neu, es war ungewohnt. Und doch war es genau so, wie er es sich immer tief in seinem Innern erträumt hatte. Sam stöhnte in seinen Mund, rutschte vor, um den Kuss zu intensivieren. Ihre Zungen hatten sich gefunden, sie brauchten kein Vorspiel, kein Herantasten. Sie kannten sich genau, auch wenn sie bisher nur Worte ausgetauscht hatten. Trotz der Schmerzen in seiner Schulter hob Dean beide Arme, um Sam näher an sich heranziehen zu können. Willig folgte sein Bruder der Aufforderung und als Sams nackter Brustkorb den seinen berührte, konnte auch Dean ein Stöhnen nicht mehr unterdrücken. Die Haut seines Bruders war kühl.

„Dich friert“, murmelte Dean und löste sich dabei kaum von Sams Lippen.

„Das ist jetzt vorbei“, antwortete Sam, während seine Hände über Deans Rücken tanzten. Sie waren ein wenig rau an, aber unglaublich stark. Sam schob Dean mit seinem Körpergewicht nach hinten und bereitwillig ließ sich Dean auf das Laken sinken. Schmerz peitschte durch seine Schulter, aber das war jetzt nicht wichtig. Sam rutschte ihm nach, war jetzt über ihm, löste sich von seinen Mund und ließ seine Lippen zur Seite rutschen, zog eine feuchte Spur hin zu seinem Ohrläppchen. Aber dort verweilte er nicht, sondern wanderte weiter über seinen Hals hinab zu seinem Schlüsselbein. In seinem Traum war er es, der Sam verführte. Dass es umgekehrt sein könnte, war ihm nie in den Sinn gekommen. Aber vielleicht musste es genauso sein, damit es passieren konnte. Ja, es erschien logisch, dass es Sam war, der seine Gefühle nicht unterdrücken wollte und konnte. Als Sams Zunge über die Mitte seines Brustkorbs strich, krallten sich Deans Hände fest in das Laken, so sehr packte ihn die Erregung. Und doch legte sich für einen Moment der Sturm, die Wogen glätteten sich.

„Sam… Stopp!“, Dean hob den Kopf, stützte sich auf die Unterarme, soweit es die schmerzende Schulter zuließ. Sam hielt inne, hob ebenfalls den Kopf und sah seinen Bruder direkt an. Das Mondlicht erhellte Sams linke Gesichtshälfte, die rechte blieb im Dunkel. Dean musste unwillkürlich an diese zwiegespaltene Romanfigur denken, der Name fiel ihm nicht ein. „Ist das nicht krank?“

„Krank?“, antwortete Sam fragend. „Die Welt hält dich für einen psychopathischen Frauenmörder und mich für dein dir höriges Anhängsel. Dämonen verstecken sich in den Körpern harmloser Menschen, Werwölfe und Vampire fressen sich durch die Nächte. Nicht wir sind krank, Dean. Die Welt ist krank.“

Vermutlich hatte Sam Recht und so sank Dean wieder zurück und schloss die Augen. Noch bevor er wieder Sams feuchte Lippen auf seiner Haut spürte, war er wieder da…, der Sturm… und trug ihn fort. Sein Herz zitterte, vielleicht waren es auch seine Hände. Jeder Protest, der sich in seinem Kopf formte, verflog in Wirbeln. Die Berührungen siegten über seinen Verstand

„Dean?“ Sams Hand lag auf Deans Brust. Seine Haare hingen in seinem Gesicht. Die Stille machte Sam nervös. Er hatte mit Ablehnung und Enttäuschung gerechnet. Er hatte sich darauf vorbereitet, aber die Realität war viel härter.

Wenn Dean ihn abweisen sollte, würde etwas in ihm zerbrechen. Das Damokles Schwert der Entscheidung würde unheilvoll über ihnen hängen. Einige Monate. Nur einige Monate, damit hätte Sam leben können, während sie so getan hätten, als wäre nichts geschehen. Er hatte es einfach riskieren müssen.

Aber selbst ein ‚Ja’zu mehr hatte eine Sprengkraft, von der er nicht wusste, ob sie ihn nicht schlussendlich zerreißen würde.

Sam hatte seine Entscheidung getroffen. „Du musst einfach für mich leben, Dean. Ich kann dich nicht einfach gehen lassen. Ich kann nicht ohne dich sein. Nicht...“, versuchte er, die Stille erträglich zu machen. Er klang verzweifelter als beabsichtigt.

„Das ist keine gute Idee“, sagte Dean mit dem letzten Funken Vernunft, den er aufbringen konnte und schlug plötzlich die Augen auf. Er biss sich auf die Unterlippe und sah ihn direkt an.

„Ich habe nur dich...“

Deans Finger der rechten Hand legten sich sachte auf Sams Kiefer und strichen tröstend entlang bis zum Kinn. Sams Mund öffnete sich. Seine Atemzüge waren das einzige, was Dean hörte. Seine Finger fuhren höher. Zart bewegte sich sein Zeigefinger über die Lippen. Was sich als Trost tarnte, brodelte immer noch leidenschaftlich in ihm. Dean fragte sich, wann er angefangen hatte, ihn mit anderen Augen zu sehen. Bevor er sich die Frage beantworten konnte, saugte Sam an seinem Zeigefinger.

Er wollte Dean wirklich. In seinen Augen war nichts von Zweifeln zu lesen, nur ehrliche Lust. Dean haftete an seinem Blick. Er fühlte sich ohnmächtig, unfähig, sich zu bewegen, auch wenn sein Verstand ihm befahl zu gehen.

Sam krabbelte mit allen Vieren auf das Bett, wobei er Deans Finger freigab. Er beugte sich zu ihm nieder.

 

„Sam... Es ist nicht...“

Sam kam nicht dazu, ihn zu küssen. Dean stieß ihn von sich und war mit einem Satz aus dem Bett. Ein scharfer Fluch entfuhr ihm. Seine Schulter schmerzte auf. Mit zusammengebissenen Zähnen sog er Luft ein. Eilig zog er sich T-Shirt, Jacke und Jeans über und schlüpfte in seine Schuhe. „Ich werde zu der 24-Stunden-Apotheke gehen, die wir gesehen haben“, erklärte Dean knapp.

Sein Bruder sprang aus dem Bett und packte Dean am Arm. „Du kannst jetzt nicht abhauen!“

„Wir verbringen 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche miteinander. Wir brauchen einfach ein bisschen Abstand.“ Dean machte sich von ihm los. Er drehte sich um und ging zur Tür, ohne Sam in die Augen zu sehen.

„Verflucht, du hast den Kuss erwidert!“, brüllte Sam ihm ärgerlich hinterher. Er packte ihn und wirbelte ihn aufgebracht herum. „Wir müssen reden.“ Er ließ die Hände sinken, als er Deans Gesichtsausdruck sah. Sein Bruder hat dicht gemacht. Er schüttelte den Kopf.

„Ich kann... jetzt nicht. Nicht jetzt, okay! Ich bin bald wieder zurück“, log Dean.

Sam hielt ihn nicht auf. Als die Tür hinter seinem Bruder ins Schloss fiel, spürte er den Kloß in seinem Hals. Nicht das schlimmste Szenario, was Sam sich ausgemalt hatte, aber es schmerzte. Das Motelzimmer kam ihm in dem Moment sehr einsam vor. Unsicher fragte er sich, ob Dean zurückkehren würde. Dann dachte er an Dad. Sie waren sich verdammt ähnlich.

Die Autotür ging auf und zu. Wenig später hörte Sam den Motor, danach ist es still. Jetzt war er wirklich allein. Sam sank aufs Bett. Er seufzte leise, legte sich rückwärts aufs Bett und schloss die Augen.

Dean fuhr zur Apotheke und stattete sich mit Antibiotika aus. Vorsorglich hatten die Brüder einen Blankorezeptblock. Bei ihrem Job brauchten sie öfter hier und da Medikamente, an die sie ohne Versichertenkarte nicht rankamen. Der Einkauf war schnell erledigt.

Dean saß im Impala und hatte Zeit, nachzudenken. Er stellte sich vor, wie Sam allein im Motelzimmer saß. Sie brauchten Abstand. Er würde im Auto schlafen und morgen früh... könnten sie so tun, als wäre nichts passiert. So einfach war das.

Okay, war es nicht.

Er fuhr sich mit der Hand über das müde Gesicht. Seine Schulter tat weh, am liebsten würde er schlafen, aber es war unmöglich. Seine Gedanken wanderten immer wieder zu Sam. Wenn er zugab... Dean hatte es schon Wochen, vielleicht Monate zuvor registriert – und wiederum auch nicht. Er hatte es abgetan. Die schlecht getarnten Blicke. Zufällige Berührungen, die mehr kribbelten als Bierschaum in der Nase.

Bier.

Dean startete den Impala und machte sich auf die Suche nach einer Bar. Er brauchte nicht lange, um eine zu finden. Kurz darauf saß er trübe über einem Glas am Tresen eines düsteren Schuppens. Hier gab es keinen Pooltisch, keine Dartscheibe, um sich abzulenken. Er und sein Bier. Und Sam. Er konnte diese verteufelten... sanften, braunen Augen vor sich sehen. Sein Bruder hatte den Herzensbrecherblick perfektioniert.

Schnell kippte er sich das halbe Glas in einem Zug die Kehle herunter.

„Schlechten Tag gehabt?“, fragte der Barkeeper und wienerte ein Glas gelangweilt trocken.

„Da kann nur Eva Mendes helfen“, erwiderte Dean. Der Werbespot, in dem sich die Schauspielerin im Bett räkelte, war heiß. Ein Jammer, dass er für die amerikanischen Fernsehzuschauer zu heiß war.

Einige Bier später war Eva vergessen, dafür drehten sich seine Gedanken nur noch um Sams – so sehr, dass er sogar seinen Namen brabbelte.

„Alkohol hilft nicht gegen Liebeskummer, Kleiner. Das kann ich dir sagen“, meinte der Barkeeper. Er schaute Dean mitleidig an.

„Ich habe keinen Liebeskummer!“, bestritt er. Doch irgendwie fühlte sich Dean ertappt. Er sollte nicht so für seinen Bruder fühlen. Das war nicht richtig.

„Und wer ist diese Sam?“, widersprach der Mann.

„Niemand.“ Dean sprang auf, knallte einen Schein auf den Tresen und floh aus der Bar. Er sollte nicht fahren, aber das hatte ihn nie aufgehalten. Es sei denn, Sam war dabei.

Dean fuhr zurück zum Motel. Er beobachtete das Fenster ihres Zimmers. Drinnen war es dunkel. Wahrscheinlich schlief Sam bereits. Dean war sich nicht sicher, ob er reingehen sollte. Er spielte am Radio herum. Fahrig schlug er es aus.

Nach einer halben Stunde hatte sich auf dem Motelgelände nichts getan. Dean schlich über den Kies, der unter seinen Stiefeln knirschte. Vorsichtig öffnete er die Tür. Licht von der Lampe vor dem Motel, das mit einem Bewegungsmelder gekoppelt war, fiel durch den Türspalt auf das hintere Bett. Sam lag darin. Sein Gesicht war von ihm abgewandt.

Für eine Weile stand Dean in der Tür und sah ihn an. Er konnte nicht ohne Sam leben, wie könnte er ihm das vorwerfen? Er war egoistisch. Lieber landete er in der Hölle, als ohne seinen Bruder leben zu müssen. Er brauchte ihn wie die Luft zu atmen. Er könnte es nicht ertragen, wusste er doch, wie es sich anfühlte. Die Erinnerung an Sams Tod war allzu präsent, dass sich auch jetzt sein Herz bei dem Gedanken an die ruhelosen Tage schmerzhaft zusammenzog.

Als Dean leise ins Zimmer ging, stolperte er beinahe über seinen Rucksack, bevor er vorsichtig die Tür hinter sich schließen konnte. Er pirschte sich an Sam heran. Der hatte sich in die Bettdecke gewickelt, ein nacktes Bein schaute daraus hervor. Deans Hand schwebte darüber, wagte aber nicht, es zu berühren.

Er ging näher ans Kopfende und reckte seinen Hals nach Sams Gesicht. Seine Fahne könnte Tote erwecken. Sam sah so friedlich aus, wenn er schlief. „Sam?“, flüsterte er. „Sam.“ Er streckte seine Hand aus, doch wieder berührte er ihn nicht.

„Sammy.“ Das hieß ‚kleiner Bruder’. Es bedeutete, ‚Ich tue alles, um dich zu schützen, retten, was immer du willst’. Dean echote seinen Namen. Es tat ihm leid. Es bedeutete auch‚ ‚Verlass mich nicht’.

Dean setzte sich zu ihm aufs Bett. Die Matratze gab unter seinem Gewicht nach. Er war wirklich müde. Nur kurz wollte er sich ausstrecken und seine Augen schließen. Sam war da. Umständlich streifte er im Sitzen die Schuhe von den Fersen und ließ sie seitlich von seinem Fuß fallen.

Er merkte nicht, wie Sam sich regte. Atemlos hatte Sam sich schlafend gestellt, sobald er gemerkt hatte, dass sein Bruder wieder da war. Er wollte sich zu ihm umdrehen, doch der lag halb auf der Decke. Er versuchte sich, aus der Gefangenschaft zu befreien und zerrte an ihr. Dean wurde von dem plötzlichen Ruck überrascht, so dass er zur seiner Seite des Bettes auf den Boden fiel. Sam rollte seinerseits aufgrund des fehlenden Gewichts vom Bett.

„Scheiße!“

Sam lachte.

„Das ist nicht komisch“, murrte Dean und zog sich hoch. Sein Bruder tauchte ihm gegenüber auf. Sie sahen sich an. Auf Sams Gesicht war für einen Moment ein entspanntes Lächeln, ehe es verschwand. Er schaute ihn ernst an. Dean wich dem Blick aus. „Ich hätte... nicht abhauen sollen.“ Mühselig stemmte er sich auf die Matratze hoch und ließ sich auf dem Bett nieder.

Sam folgte seinem Beispiel. „Ich hätte dich nicht überfallen sollen.“

„Hast du aber. ...mich die ganze Nacht wachgehalten.“

„Habe ich.“

„Miststück.“

„Schlampe.“

Sie sahen sich unverwandt an. Dean drehte sich zu ihm. Mit seiner Hand tätschelte er Sams Haare. Er konnte nicht in Worte fassen, was er fühlte. Während seine Hand in Sams Nacken glitt, kam er seinem Gesicht näher und näher. Sam wartete geduldig, bis Dean ihn küsste. Er spürte den Widerstand, die Erwiderung von Sam. Es fühlte sich gut an, anders als der erste, stürmische Kuss und vor allem schmeckte er nach Bier.

„Lass uns einfach schlafen. Ich bin scheißmüde“, sagte Dean, als er den Kuss brach.

Sam nickte.

Dean saß aufrecht. Kompliziert zog er seine Jacke aus, während er sich fragte, wie er die ohne Probleme hatte anziehen können. Sam half ihm. Er hatte keine Lust, mehr auszuziehen und streckte sich aus.

„Halt dich fest“, sagte Sam grinsend. Sein Bruder klaute ihm die Bettdecke sprichwörtlich unter dem Arsch weg. Kaum hatte sich er sich zu Dean gelegt, war der auch schon erschöpft eingedöst.

Tbc....


 
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Re: prelence: All-In - Teil 1 (Punkte: 1)
von nisa auf Sonntag, 01. August 2010 @ 21:40:52 Uhr
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Wie?
Noch kein Kommentar unter dieser absolut verrückten und polarisierenden Story?
Na, dann wird's Zeit *g*

Also ich bin ja schon mal begeistert, wie Ihr Eure Namen zusammen gewürfelt habt. Ihr seid ja wirklich zwei verrückte Hühner! Gratulation zu dieser Neuschöpfung und damit Schaffung einer doppelten Identiät - die Idee gefällt mir schon mal großartig.

Zur Story. Ja, also wenn mir die Geschichte nicht sozusagen untergeschoben worden wäre - ich weiß nicht, ob ich mich freiwillig dazu entschlossen hätte, sie zu lesen. Es ist natürlich das Pairing, was ein wenig ausbremst.
Aber:
Dann wäre mir verdammt noch mal was wirklich Gutes, Außergewöhnliches und Großartiges entgangen. Und deshalb: Tausend Dank fürs Unterschieben! Ich bin froh, dass ich das hier lesen darf, auch wenn ich von dem Pairing wohl nie überzeugt sein werde.
Und das hat mehrere Gründe:

1. Der Aufbau der Story. Man kann es schon hier im ersten Teil sehen, wie komplex und detailgeladen ihr vorgeht - das ist wunderbar und mit viel Arbeit und Geduld verbunden.
2. Die Schreibstile. Ihr schreibt ja durchaus sehr unterschiedlich. Aber Ihr habt Euch da wirklich toll zusammen gerauft - die Stile vermischt und was Neues - Eigenes - prelence-mäßoges draus gemacht. Das finde ich super!
3. Das Erfassen des Grundtons der Serie. Das gelingt Euch meiner Meinung nach sehr gut. Dieser Witz, dieser Schmerz, diese kleinen Bemerkungen am Rande... das fangt Ihr toll ein, nutzt es für Euch und macht wieder was ganz Eigenes draus. Schön.

Mir gefällt die Story sehr gut und ich finde auch gerade diese diskussionswürdigen Aspekte der Story sehr spannend. Ihr macht was draus und ich weiß ja auch, wieviel Arbeit da drin steckt. Dafür gebührt Euch zusätzlich noch Anerkennung.

Von daher, schnell weiterschreiben - schnell weiterposten! Ich bin gespannt!







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