
Autor: redangeleve
Titel: A view to a kill
Inhalt: Ein Vampir, ein Werwolf, Fieber und Blut... und das Verhängnis nimmt seinen Lauf
Spoiler: so in etwa nach New Moon
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Teil: 2/?
Disclaimer: Alle in dieser Story verwendeten Charaktere und Grundkonzepte sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Sie werden einzig und allein zu Unterhaltungszwecken genutzt. Eine Copyright-Verletzung ist weder beabsichtigt noch impliziert.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Edward Cullen/Jacob Black
Kommentar: Ich habe im Auto im Moment die Greatest Hits CD von Duran Duran laufen und als ich das Lied "A view to a kill" gehört habe, überkam mich die Idee zu dieser Geschichte.
A view to a kill
Teil 2: Edward
Schweigend stand Edward am Fenster seines Zimmers und sah dabei zu, wie sich die Sonne langsam hinter den verschneiten Baumwipfeln empor arbeitete. Es war immer wieder faszinierend zu sehen, wie aus einem winzigen, schwachen Licht ein Meer aus Orange- und Rottönen geboren wurde. So schön, wie es kein Maler auf eine Leinwand bannen konnte und selbst moderne Photographien waren nur blasse Abbilder dieses wahrhaft göttlichen Moments. Nie würde er müde werden sich dieses Schauspiel anzusehen, selbst wenn er ewig leben sollte. Vielleicht lag es daran, dass die Augen eines Vampirs anders sahen, als die eines Menschen, denn Edward konnte sich nicht daran erinnern, als Mensch ähnlich empfunden zu haben. Oder vielleicht lag es einfach nur daran, dass er als Vampir keinen Schlaf brauchte und daher viel mehr Zeit besaß, um sich mit den Phänomenen der Natur zu beschäftigen -
oder um über andere Dinge nach zu grübeln.
Er hatte nicht geplant, was heute Nacht passiert war. Im Gegenteil, Jacobs Auftauchen hatte ihn völlig unvorbereitet erwischt und das wollte etwas heißen. Er war es nicht gewohnt, dass man sich an ihn heran schlich. Normaler Weise sagte ihm seine übernatürliche Gabe, dass jemand in der Nähe war, aber vermutlich war er einfach zu sehr auf die Jagd fokussiert gewesen, um die fremden Gedanken wahrzunehmen. Edward war lange nicht mehr jagen gewesen. So lange, dass der Durst ihm mehr als nur die üblichen Schmerzen bereitete, wenn er sich unter den Sterblichen bewegte. Daher hätte er eigentlich etwas Größeres erlegen müssen, als ein kleines Reh. Aber Großwild kam in der Nähe von Forks nur selten vor. Die meisten seiner Jagdausflüge hatten ihn auf der Suche nach einem Puma weit in den Norden geführt. Doch seit der Sache mit den Volturi verließ Edward die nähere Umgebung der Stadt nur, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Allein der Gedanke daran, Bella ein weiteres Mal zu verlieren, brachte ihn beinah um den Verstand. Daher war seine Familie dieses Wochenende ohne ihn zu ihrem üblichen „Camping-Trip“ aufgebrochen und Edward hatte sich in den nahen Wäldern auf die Suche nach etwas Essbarem gemacht, wo er schließlich auf Jake getroffen war.
Was danach geschehen war, war auch für ihn selbst nur schwer verständlich. Er erinnerte sich daran, wie Jacob dagestanden und auf seinen Mund gestarrt hatte. Selbst wenn er seine Gedanken nicht so klar vor sich gesehen hätte, wäre alles in diesem offenen und zugleich verwirrten Gesicht vor sich zu lesen gewesen. Dieses Wechselbad der Gefühle, einerseits weglaufen zu wollen und doch den Blick nicht von dem Blut abwenden zu können, war Edward mehr als vertraut. Er selbst hatte am Anfang seines Daseins mehrfach dabei zugesehen, wie andere Vampire töteten und kannte den Ruf des Blutes. Der Wolf in Jacob wollte genauso jagen und töten, wie es der Vampir in Edward tat. Denn auch wenn es Jake nicht wahrhaben wollte, so waren sie sich doch ähnlicher, als es auf den ersten Blick schien.
Der Rausch, der nach dem Trinken des Blutes einsetzte, ergriff auch von Edward jedes Mal Besitz. Zwar war Tierblut nicht so stark wie das eines Menschen, aber es hinterließ trotzdem jedes Mal eine Art von absoluter Euphorie. Wäre er ein Mensch gewesen, würde jetzt Adrenalin in hohen Schüben durch seine Adern gepumpt. Seine Pupillen waren weit, seine Sinne noch schärfer als sonst und seine Männlichkeit drückte unangenehm gegen den Stoff seiner Hose. Jacobs beschleunigter Herzschlag klang selbst jetzt noch genauso deutlich in seinen Ohren, wie er es auf dieser Lichtung getan hatte. Es war wie ein Trommel, die zu ihm sprach, ihn aufforderte näher zu kommen und ihn zu berühren. Deutlich strömte das Blut in die Wangen des Werwolfs und auch in tiefere Regionen.
The choice for you is the view to a kill
Between the shades assasination standing still
Es verwunderte ihn selbst, wie einfach Jacob seinen natürlichen Reizen erlag, doch er konnte nicht widerstehen, die Einladung anzunehmen und ihn zu küssen. Hatte bislang der Wind die unangenehme Witterung des Werwolfs von ihm weggetragen, so traf ihn nun der Gestank mit all seiner Macht, so dass Edward beinah ein Zischen entwichen wäre. Und doch empfand er den Kuss als zu angenehm, um ihn jetzt schon zu beenden. Zumal auch Jake diese Vereinigung zu genießen schien. Es war so wunderbar, in dieser Hitze, die von Jacob ausging zu baden, ohne sich Gedanken über einen Kontrollverlust zu machen. Der Werwolf war so viel stärker als es Bella war, bei der sich Edward jedes Mal beherrschen musste, um nicht ihre zarten Knochen zu zerbrechen. Es bedurfte nur eines Befehls an sein Unterbewusstsein und Edward unterdrückte den Reflex, der ihn atmen ließ, obwohl er den Sauerstoff nicht zum Leben brauchte. So konnte er sich voll und ganz in dem Kuss verlieren, ohne dass sein natürliches Abwehrverhalten ihn störte.
But can we dance into the fire
That fatal kiss is all we need
Ernst jetzt wurde Edward bewusst, wie sehr er sich nach Wärme sehnte. Auch wenn er weder frieren noch schwitzen konnte, war es herrlich, sich an der Hitze des anderen zu reiben, bis man beinah meinte, sie würde auf einen selbst abfärben. So warm, so heiß, so willig. Fest legte er seine Arme um den glühenden Körper, tauchte in ihn ein, wünschte sich mit ihm verschmelzen zu können. Er hörte die lustvollen Gedanken, spürte die Erregung des Anderen – und dann war es plötzlich vorbei und Jacob brach den Kontakt. In den Augen des Werwolfs las Edward Scham, Verwirrung und Wut. Sein eigener Verstand war noch zu benebelt von dem sinnlichen Erlebnis, um Worte zu finden, daher konnte er nur zusehen, wie sich der Andere umdrehte und in den Wald davon lief. Er selbst stand noch Minuten später an der selben Stelle, unfähig sich zu rühren, während der Rausch langsam abebbte.
Dance into the fire
To fatal sounds of broken dreams
Die halbe Nacht hatte er sich Gedanken darüber gemacht, wie er mit dieser Situation umgehen sollte. Dass nicht schon längst das ganze Rudel von La Push herüber gestürmt war und ihn in Stücke gerissen hatte, bedeutete wohl, dass Jake diesen Vorfall für sich behalten hatte. Doch war das überhaupt möglich, wenn er sich das nächste Mal in einen Wolf verwandelte? War es nur eine Frage der Zeit, bis alle davon erfuhren? Unter normalen Umständen wäre seine eigene Familie vermutlich sofort nach Hause gekommen, wenn Alice eine Vision darüber gehabt hätte, doch die Werwölfe trübten ihre Gabe, so dass sie Ereignisse, die mit ihnen in Zusammenhang standen nicht sehen konnte. Trotzdem bedurfte es nur eines Anrufs auf Carlisles Mobiltelefon und sie würden alle zu seinem Schutz herbei eilen, doch Edward war sich nicht sicher, ob das wirklich nötig war.
Sicher war nur, dass er selbst, die Verantwortung für das trug, was dort im Wald geschehen war. Jake war krank und nicht zurechnungsfähig, das war mehr als deutlich gewesen und Edward hatte diesen Zustand selbstsüchtig ausgenutzt. Das Problem war nur, dass er es einfach nicht bereuen konnte. Das verwirrte und ängstigte ihn gleicher Maßen. Es war unnatürlich und völlig unmöglich, dass er Gefühle für Jacob Black hegte. Nicht nur, weil Jake ein Werwolf und somit sein natürlicher Feind war. Sicher, das war auch ein Punkt, aber der Entscheidende war letztendlich ein anderer:
Jacob war ganz eindeutig ein Mann und Edward war nicht schwul. Zwar kannte er die Theorie, dass alle Vampire früher oder später bisexuell wurden, doch bisher hatte er noch nie eine derartige Tendenz an sich selbst festgestellt.
Allerdings musste er zugeben, dass die Theorie nicht bar jeder Logik war: Männliche Vampire brauchten keine Frauen, um sich fortzupflanzen und ein männlicher Partner war physisch stärker und daher ein potentiell besserer Kampfgefährte. Er selbst hatte in seinem Dasein als Vampir mehrere bisexuelle Zirkel getroffen oder hatte von ihnen gehört. Zuletzt waren es die drei Vampire gewesen, die für seine Familie zu einer existenziellen Bedrohung geworden waren: Viktoria, James und Laurent. Zwar hatte Viktoria James als ihren Partner bezeichnet, aber der Geruch der drei Vampire hatte ihm verraten, dass sie alle drei untereinander sexuell aktiv waren.
Dennoch blieb eine Tatsache, die so sicher feststand, wie die dass sich die Erde um die Sonne drehte: Edward liebte Bella mehr als sein Leben. Selbst jetzt in diesem Moment wusste er, dass er nichts auf der Welt mehr liebte als sie. Wieso bekam er dann Jacob nicht aus seinem Kopf? Warum fühlte er immer noch diese heißen, festen Lippen auf den seinen? Und wieso wünschte er sich, dass der Andere nicht einfach davon gelaufen wäre? Frustriert fuhr sich Edward mit der Hand durchs Haar. Es war zum verrückt werden! Hatte er nicht schon genug Probleme? Musste sich sein Körper jetzt auch noch wie der eines pubertierenden Teenagers verhalten? Seufzend schlüpfte er in seine Stiefel und verließ sein Zimmer. So sehr er das helle, lichtdurchflutete Haus auch mochte, aber im Moment brauchte Edward einfach einen Tapetenwechsel. Einen Moment lang spielte er mit dem Gedanken, in den Volvo zu springen und zu Bellas Haus zu fahren, um ihr beim Schlafen zu zu sehen, aber das Wetter machte ihm einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Ausgerechnet heute schien einer der wenigen wolkenlosen Wintertage in Forks zu sein, daher war es zu gefährlich in die Nähe der Stadt zu fahren. Immerhin war es trotz der frühen Stunde möglich, dass ihn irgendjemand sah.
Seine Haut glitzerte wie Diamantenstaub, als Edward hinaus auf die Veranda trat und unbewusst seine Schritte die Treppe hinab in Richtung des Waldes lenkte. Zwar war er von gestern noch gesättigt und brauchte in den nächsten Tagen nicht jagen zu gehen, dennoch fühlte er den Drang in sich aufsteigen zu laufen, bis er nichts mehr fühlte, als den eisigen Wind auf seinem Gesicht und die Erinnerung an die warme Haut des Werwolfs nur noch ein Schatten war.
XXXXXX
Der Schnee knirschte unter seinen Stiefeln, als er auf der kleinen Lichtung zum Stehen kam. Scheinbar war sein Unterbewusstsein stärker als gedacht, denn er hatte überhaupt nicht gemerkt, dass ihn seine Schritte wieder hierher geführt hatten. In der Nacht hatte es erneut geschneit, so dass alles frisch und rein aussah und die Spuren von gestern nicht mehr sichtbar waren. Der Körper des toten Wapitis war inzwischen steif gefroren und von einer frischen Schneedecke bedeckt. Ein Mensch wäre vermutlich einfach an der kleinen Erhebung vorbei gegangen, ohne sie überhaupt zu bemerken, doch Edwards feine Sinne konnten noch den schwachen Geruch des Todes wahrnehmen. Ebenso wie Jacobs herbes Aroma. Es hing an jedem Blatt, das er berührt hatte. An jedem Ast, den er gestreift hatte. An jedem verdammten, gefrorenem Grashalm.
Edwards Nasenflügel bebten, als er den Geruch in sich aufsaugte. Er wusste, er sollte sich umdrehen und diesen Ort verlassen, der bereits erneut ungebetene Bilder durch seinen Verstand schickte und doch stand er völlig still, die Augen geschlossen, während er den beißenden Duft inhalierte. Es war, als habe er sich mit einem Gift infiziert, dass ihn langsam aber sicher um den Verstand brachte. Es schien ihm sogar, als würde der Geruch immer stärker werden, anstatt dass er schwächer wurde und als er schließlich die vertrauten Gedanken in seinem Kopf hörte, wusste er auch wieso. Verwundert öffnete er die Augen, nur um sofort in den dunklen Seen seines Gegenübers zu versinken.
Jacobs nackter Oberkörper hob und senkte sich in schnellen Bewegungen, sein Herz klopfte wie wild in seiner Brust. Feine Schneeflocken glitzerten in seinem schwarzen Haar, seine Augen waren glasig vom Fieber und auf seiner Stirn glänzte der Schweiß. Selbst auf die Entfernung konnte Edward die Hitze wahrnehmen, die von ihm ausging.
First crystal tears,
Fallen of snowflakes on your body
„Du bist krank. Du solltest im Bett liegen“, rügte der Vampir mit sanfter Stimme.
„Da war ich, aber ich verbrenne in der Hitze des Hauses“, erwiderte Jake mit belegter Stimme.
„Carlisle hat immer einen Notfallkoffer im Haus“, erbot Edward sofort. „Ich könnte dir etwas gegen das Fieber holen.“
„Es gibt nur eine Medizin, die ich brauche“, gab der Werwolf rau zurück. Dieses Mal war er es, der die letzten Meter zwischen ihnen überbrückte. Fast automatisch stellte Edward das Atmen ein, als ihre Lippen aufeinander krachten. War es beim ersten Mal eher ein vorsichtiges, scheues Abtasten gewesen, so war es dieses Mal mehr eine Explosion der Leidenschaft. Ihre Zungen fochten einen stummen Kampf um die Vorherrschaft, wanderten mal in den einen, mal in den anderen Mund, bis sie beide nicht mehr wussten, wo der eigene Körper begann und der fremde aufhörte. Kalt verschmolz mit heiß. Hart mit weich. Vampir mit Werwolf.
Fist time in years
To drench your skin of lovers rosy stain
A chance to find the phoenix for the flame
A chance to die
„Jake, du weißt nicht, was du tust“, murmelte Edward gegen die Lippen des anderen Mannes, in dem letzten Versuch das Unvermeidliche abzuwehren. „Wir sollten aufhören, bevor wir etwas tun, was wir später bereuen.“
Tbc...
A/N: Ich habe mir das mit der Anzahl der Teile doch noch mal überlegt. Einer folgt ganz sicher noch, vielleicht auch noch zwei.
Prue: Danke, dass Du Dich getraut hast *drück Dich *. Ganz ehrlich, ich habe auch eine ganze Weile gebraucht, bis ich mich getraut habe, die Story zu schreiben. Immerhin ist es ja echt ein stranges Pairing, aber dann hat es mich doch in den Fingern gejuckt und voila, hier ist das Ergebnis.
In diesem Teil erfährst Du ja, dass Edward sehr wohl mit der Situation hadert. Er liebt Bella über alles und doch hat ihn dieses Erlebnis mit Jacob nicht kalt gelassen. Aber ob da mehr draus wird.... mal sehen.